Testbögen statt Sichtwahl

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Berlin - Mit dem Abzug der Ärzte hat die Schloss-Apotheke in Lauenburg ihre Kundschaft verloren. Ende Juni schloss sie für immer. Als sich die Inhaber an den Coronatests für Lehrer:innen und Kitapersonal beteiligten, rückte der Standort wieder in den Fokus. Denn in einer gewohnten Umgebung passierten deutlich weniger Fehler, als beim ständigen Wechsel zwischen Schulen und Kitas, sagt Apotheker Justus Hillgruber.

Die Hillgrubers entschieden sich unter anderem aus arbeitsrechtlichen Gründen dafür, das Testzentrum in ihrer geschlossenen Schloss-Apotheke einzurichten. „Ich müsste sonst in jedem einzelnen Raum, in dem ich teste, eine Gefährdungsbeurteilung machen und bestätigen, dass es keine Alternativen gibt“, sagt Hillgruber, der als angestellter Pharmazeut bei seinen Eltern Jörg und Bettina arbeitet. „Wir wollten die Fehleranfälligkeit reduzieren, indem wir Routine schaffen.“ Sich immer wieder auf neue Räume und deren Begebenheiten einzustellen, erhöhe die Belastung der Mitarbeiter.

Deshalb lädt die Rufer-Apotheke, die die Hauptapotheke der Familie ist, Lehrer:innen und Kitapersonal in die ehemalige Apotheke. Der Standort wurde in den 1990er Jahren übernommen. Ein weiterer Vorteil: Dort sind noch die Plexiglasscheiben am HV-Tisch montiert, die für mehr Schutz sorgen. Getestet wird seit Ende Februar, mittlerweile auch kostenlos für Bürger. „Die Bevölkerung ist dankbar, dass es ein Testzentrum gibt“, sagt Hillgruber. Pro Tester können zwei Personen in fünf Minuten untersucht werden. „Das ist eine reine Abfertigung. Wer diskutieren will, wird an die Apotheke verwiesen.“

Die größte Herausforderung sei die Lenkung der Kunden. „Wer bei uns zu früh kommt, sorgt für Stau. Das ist anders als in einer Arztpraxis, wo die Wartenden vielleicht früher an der Reihe sind.“ Hillgruber ist froh, dass er sich für das Testzentrum entschieden hat. Dass einige Kollegen anfangs zögern, versteht er: „Vieles ist unklar: Wie lange wird überhaupt getestet? Kommen genug Kunden? Muss ich neue Mitarbeiter einstellen? Lohnt sich die Investition?“

Insgesamt investierte die Apothekerfamilie rund 4000 Euro in das Testzentrum etwa für die Einrichtung. Die Nachfrage sei ausreichend und der Betrieb könne kostendeckend laufen. Von Gewinn sei natürlich keine Rede. „Aber darum geht es auch nicht“, sagt Hillgruber. Er findet es schade, dass manche Kolleg:innen sich vor der Teilnahme an den Testungen scheuen. Zögernden Inhaber:innen will er deshalb seine Unterstützung und Erfahrung bei der Erstellung eines Konzepts anbieten.

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