Schließung nach Insolvenz

Ungarischer Apotheker scheitert im Schwarzwald

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Berlin -

Vor nicht einmal zwei Jahren hat Antal Csaba Wessely die Goldbach-Apotheke in Bad Peterstal eröffnet. Vor wenigen Tagen hat der Apotheker Insolvenz beantragt, er möchte die Landapotheke bereits zum 15. September schließen. Fehlende Kundschaft sei für seine Pleite verantwortlich. Seine Kunden bemängeln allerdings Kommunikationsprobleme und schlechten Service in der Apotheke. Vermieter und Bürgermeister suchen nun fieberhaft nach einem Nachfolger. Sie sehen für die Apotheke ein ausreichendes Ertragspotenzial.

„Es lohnt sich nicht mehr“, sagt Wessely. Der Apotheker hat vor rund einer Woche Insolvenz für seine Goldbach-Apotheke angemeldet. Schon am Tag darauf sei ein vom Insolvenzgericht bestellter Gutachter vor Ort gewesen. Rund 800, maximal 1000 Kunden hat Wessely nach eigenen Angaben zuletzt monatlich in seiner Apotheke begrüßen können. Damit habe er die Ausgaben nicht decken können. „Ich habe alles probiert“, sagt der Apotheker. Er habe viele Angebote gemacht, besonders auf OTC und Kosmetik gesetzt. Nur genutzt habe es nichts.

Dabei hat Wessely die Goldbach-Apotheke vor nicht einmal zwei Jahren eröffnet. Nachdem das Apothekerpaar, das vor ihm eine Apotheke in Bad Peterstal betrieben hat, aus Alters- und Gesundheitsgründen aufhören musste, wurden bei der Suche nach einem Nachfolger alle Register gezogen.

Sie fand Mitte November 2015 ein Ende, als Wessely die Apotheke in ehemaligen Schlecker-Filiale eröffnete. Zuvor war der Pharmazeut in seiner Heimat Ungarn, danach auf der Schwäbischen Alb und in Schwerin als Apotheker angestellt gewesen. Mit einer kleinen Apotheke hatte er sich eine eigene Existenz aufbauen wollen.

Das ist ihm nicht gelungen, wohl nicht gänzlich unverschuldet. Offenbar sind Apotheker und Einwohner nicht richtig warm miteinander geworden. Ein Grund sei die hohe Sprachbarriere gewesen, vermutet Vermieter Ernst Maier. Er lebt in Bad Peterstal nur 50 Meter von der Apotheke entfernt und ist selbst Kunde der Apotheke gewesen.

Am Anfang habe er den Eindruck gehabt, dass es sehr gut für den neuen Apotheker laufe. Doch dann habe er immer häufiger von Kommunikationsproblemen gehört. Einerseits seien die Sprachkenntnisse von Wessely und seiner Frau, die ebenfalls Apothekerin ist und erst nach der Eröffnung der Goldbach-Apotheke nach Deutschland gekommen ist, nicht wirklich gut. Andererseits aber würden viele Ortseinwohner mehr oder minder starken Dialekt sprechen, was die Kommunikation nicht gerade erleichtere, so Maier. So habe mit der Zeit manch ein Kunde lieber den Weg zu einer anderen Apotheke auf sich genommen.

Doch die Sprachbarriere war offenbar nicht das einzige Problem. Auch der Service und das Sortiment der Apotheke ließen wohl zu wünschen übrig. Ortseinwohner waren mit dem Umfang des frei verkäuflichen Sortiments unzufrieden. Auch seien viele der gängigen, rezeptpflichtigen Medikamente nicht vorrätig gewesen. Den vor allem auf dem Land üblichen, vielerorts inzwischen obligatorischen Botendienst habe es nicht gegeben. Doch die an den Apotheker herangetragenen Verbesserungsvorschläge und Anregungen seien nicht beherzigt worden.

Dabei hat Wessely vor der Eröffnung der Apotheke angekündigt, sein Geschäft an den „Bedürfnisse der Menschen vor Ort“ auszurichten. Für ihn stehe „die menschliche Komponente im Vordergrund“. Durch Servicequalität, freundlichen Umgang und sein sonniges Gemüt wollte er seine Kunden überzeugen. Ob Kräuterkunde, alternative Heilmittel oder Kosmetik: All dies könne den pharmazeutischen Bereich ergänzen, wenn Bedarf bestehe, versprach er. Doch dieses Versprechen soll er nicht erfüllt haben.

„In einem kleinen Ort kommt es auch darauf an, dass man sich auf den Menschenschlag hier einlässt“, sagt Bürgermeister Meinrad Baumann. Näher will er auf die kolportierten Probleme zwischen dem Apotheker und seiner Kundschaft zwar nicht eingehen, räumt aber ein, dass auch er kritische Stimmen vernommen habe.

Von der Nachricht, dass Wessely die Apotheke schließen wolle, sei er nicht sonderlich überrascht worden. „Wenn ein Geschäftsinhaber seinen Wohnort in eine rund 70 Kilometer entfernte Stadt verlegt, ist das ein deutliches Zeichen“, so Baumann. Bereits im Frühsommer soll der Apotheker zusammen mit seiner Familie nach Baden-Baden gezogen sein.

Der Wunsch der Beteiligten wäre es, die Apotheke ohne Schließung an einen Nachfolger übergeben zu können. Deshalb sollen bei der Nachfolgersuche alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein nahtloser Übergang gelingt, tendiert allerdings gegen Null. Bis zur Schließung bleiben nur noch wenige Tage. Die Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang hat in Bad Peterstal dennoch niemand aufgegeben. Schließlich habe es vor zwei Jahren auch geklappt.

„Auch wenn man hier mit einer Apotheke keine Reichtümer anhäufen kann, ist die Ertragskraft der Apotheke dennoch gegeben“, sagt Baumann. Aufgrund des Standortes in der Ortsmitte und der vorhandenen neuwertigen Ladeneinrichtung sowie des Kundenpotenzials ist er überzeugt, dass eine inhabergeführte Apotheke in Bad Peterstal eine Zukunft hätte. „Bad Peterstal-Griesbach hat mehr als 200.000 Gästeübernachtungen im Jahr mit steigender Tendenz, ist Premiumwanderort und Nationalparkgemeinde“, erläutert der Bürgermeister die Rahmenbedingungen. Drei Allgemeinmediziner praktizierten außerdem im Ort. „Ein Apotheker kann hier nicht nur auskömmlich leben, sondern er wohnt auch dort, wo andere Urlaub machen“, betont er.

Wessely will künftig in Baden-Baden als angestellter Apotheker arbeiten. Seine Frau habe bereits einen Job in einer Apotheke gefunden, sagt er. Ob seine drei ehemaligen Mitarbeiterinnen – eine PKA, eine PTA und eine Reinigungskraft – bereits einen neuen Arbeitsplatz gefunden habe, wisse er nicht.

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