Apothekenschließung

Noch ein Dorf ohne Apotheke

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Berlin -

Die Storchen-Apotheke in Gottenheim musste schließen, weil sich der Standort zuletzt wirtschaftlich nicht mehr getragen hat. Noch vor wenigen Jahren hat Inhaber Dr. Martin Kullmer kräftig investiert. Doch dann verschlechterte sich die finanzielle Situation zusehends. Nun will sich der Apotheker auf seine Rats-Apotheke in Bötzingen konzentrieren, die er zusammen mit seiner Frau führt.

Vor genau zehn Jahren hat Kullmer die Filiale in Gottenheim übernommen. Doch zuletzt hat sich der Standort in dem rund 2800 Einwohner großen Ortschaft nordwestlich von Freiburg wirtschaftlich nicht mehr getragen. Der Apotheker bedauert, dass es soweit kommen musste: „Die Räume waren schön, das Verhältnis zu den Kunden und den Vermietern ist sehr gut“, betont er. „Wir fühlten uns in Gottenheim sehr wohl."

Doch die Kundenfrequenz sei letztendlich zu gering gewesen, begründet Kullmer seine Entscheidung. In den ersten Jahren hatte die Apotheke noch ein Seniorenheim versorgt und sich damit ein zweites Standbein aufgebaut. Die Geschäftsbeziehung überdauerte sogar einen Umzug der Einrichtung in eine andere Gemeinde. Doch als das Heim den Betrieb einstellte, verlor die Storchen-Apotheke einen wichtigen Teil des Umsatzes. Dennoch hat der Apotheker weiter an den Standort geglaubt. Im Jahr 2012 hat er die Apotheke renoviert und das Angebot ausgeweitet. Außerdem baute er eine automatische Servicestation ein. Sie ermöglichte den Kunden, auch außerhalb der Öffnungszeiten bestellte Medikamente abzuholen.

Doch am Ende hat das alles nichts gebracht. Den endgültigen Todesstoß hat der Storchen-Apotheke der Personalmangel versetzt. Mindestens zwei Mitarbeiter hätte er für die Betrieb der Filiale benötigt, berichtet Kullmer. Doch schon im vergangenen Herbst sei eine Mitarbeiterin gegangen. Eine weitere hatte angekündigt, die Apotheke bis Ende Januar verlassen zu wollen. Es sei generell schwierig, für Apotheken Personal zu finden und länger zu halten, selbst bei Praktikanten. „Wenn man inseriert, stehen die Leute nicht Schlange", erklärte Kullmer.

Für die Ortschaft sei die Schließung der Apotheke ein großer Verlust, sagte Bürgermeister Christian Riesterer der Badischen Zeitung. „Das ist wirklich ein Schlag, denn das gehört für mich zur Grundversorgung in einer Gemeinde." Der Rathauschef hat derzeit wenig Hoffnung, dass eine andere Apotheke nun in die Bresche springt und in Gottenheim eine Filiale betreibt. „Die wirtschaftliche Situation und die personellen Probleme blieben leider die gleichen“, sagte er.

Außerdem scheint der Ort grundsätzliche strukturelle Probleme zu haben, die es Einzelhändlern schwierig machen, ihre Geschäfte erfolgreich zu betreiben. So schlossen in den letzten drei Jahren im Ortskern die Sparkasse, der Metzger sowie zwei von fünf Gastronomiebetrieben. Bereits zuvor machten das Lädele für Schreibwaren und die Tankstelle dicht. Eine weitere Bank und eine Bäckerfiliale verkürzten ihre Öffnungszeiten. Was nun aus den Räumen der Apotheke, die nur wenige Meter vom Rathaus entfernt liegt, werden soll, ist noch offen. Langen Leerstand will Riesterer möglichst vermeiden.

Kullmer will sich nun auf die Arbeit in der Ratsapotheke in Bötzingen konzentrieren und den Service ausbauen. So hat man beispielsweise zu Anfang Februar die Öffnungszeiten ausgeweitet. „Wir werden nun von Montag bis Freitag durchgehend auch am Mittag geöffnet haben", erklärt der Apotheker. Für Gottenheimer werde man einen Botendienst anbieten.

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