Staatsanwaltschaft fordert Sicherungsverwahrung

PTA-Mörder soll den Rest seines Lebens hinter Gitter APOTHEKE ADHOC, 13.08.2020 15:05 Uhr

Besondere Bedeutung für das Urteil kommt den psychiatrischen Gutachten zu. Ein Kasseler Facharzt für Psychiatrie sieht eine Wiederholungsgefahr gegeben. Auch sei die Tat nicht im Affekt geschehen, wofür schon die Vorbereitungen sprechen. So habe er seinem Opfer, mit Messer und Benzin ausgestattet, rund eine Stunde aufgelauert, um eine günstige Gelegenheit abzuwarten. Er diagnostizierte bei Frank N. eine leichte Persönlichkeitsstörung sowie eine narzisstische Störung. Er reagiere mit aggressivem Verhalten auf Zurückweisungen und Enttäuschungen. Eifersucht und Kränkung seien demnach auch die Tatmotive. Bereits vor der Tat habe er seiner ehemaligen Lebensgefährtin mitgeteilt: „Ich habe dir gesagt, ich bring dich um, wenn du mich betrügst.“

Die 44-Jährige hatte sich nach einer zweijährigen Beziehung von N. getrennt. Kurz vor der Tat habe die Frau dann den Kontakt abgebrochen, wie der Angeklagte zu Prozessbeginn in seiner Einlassung erklären ließ. Er habe mehrmals versucht, mit ihr zu sprechen, sei jedoch stets gescheitert. Daraufhin war er ihr nachgestiegen: Er habe an einem Abend durch das Fenster beobachtet, wie seine Ex-Freundin leicht bekleidet mit einem anderen Mann auf dem Sofa lag. Dadurch sei er gekränkt, wütend und verzweifelt gewesen, er habe geschrien, ans Fenster geklopft und Balkonmöbel geschleudert. Daraufhin hatte die 44-Jährige eine Kontaktsperre erwirkt.

Erschwerend dürfte bei der Urteilsfindung hinzukommen, dass Frank N. bereits ein langes Vorstrafenregister hat. Neben kleineren Vorstrafen wurde er bereits dreimal wegen Vergewaltigung und wegen versuchter Vergewaltigung in fünf Fällen verurteilt. Dafür erhielt er Freiheitsstrafen von zwei Jahren und neun Monaten, fünf Jahren sowie sechs Jahren. Der Prozess findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt: N. wird durch eine gesonderte Tür direkt aus dem Keller des Gerichtsgebäudes auf die Anklagebank geführt und durchgehend von mehreren Justizbeamten bewacht. Die Maßnahmen erfolgen nicht allein aufgrund der Schwere der Tat: Bei einem früheren Prozess in den 90er Jahren war N. aus dem Gericht geflüchtet, als sich ihm die Gelegenheit bot. Es dauerte drei Wochen, bis er gefasst wurde. Ein Polizist musste dabei seine Schusswaffe einsetzen.

Opfer sind jedoch nicht nur die beiden getöteten Apothekenmitarbeiterinnen und die verletzten Helfer, sondern auch die Familien der Opferangehörigen. Der Anwalt einer Opferfamilie führte vor Gericht aus, welche Folgen die Tat für die 10-jährige Tochter der getöteten Frau hatte. Sie gehe nicht mehr zur Schule, reite nicht mehr, sei in Therapie und leide unter schweren Angstzuständen. Ihren Vater habe sie gebeten, nicht zu dem Prozess zu gehen, weil sie Angst habe, dass Frank N. auch ihn umbringe. Er blieb dem Prozess fern. Der könnte Ende der Woche vorbei sein, Freitag wird ein Urteil erwartet.

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