Hautkrankheiten

Krätze: Kratzen bis es blutet dpa, 14.05.2018 12:43 Uhr

Halle/Berlin - Am Anfang war es nur ein Juckreiz bei ihrer Tochter. „Ich dachte, die hat keine Lust auf Schule“, erinnert sich Katrin Müller. Doch nach ein paar Wochen juckte es die ganze, vierköpfige Familie. Unerträglich, Tag und Nacht, am ganzen Körper. „Es war schlimm. Wir haben uns blutig gekratzt und niemand wusste, was wir haben“, so die inzwischen Geheilte. Die Ärzte tippten auf Masern, Ekzeme, auf Vogelmilben und Allergien. Kein Medikament half.

Erst nach einigen Monaten kam die Diagnose Krätze. „Ich musste erst einmal nachlesen, was das ist“, so die Mutter aus Nordrhein-Westfalen. Sie möchte mit ihrer Familie unerkannt bleiben, da sie berufliche Probleme fürchte. Die Krankheit habe schließlich ein Schmuddel-Image, weil Obdachlose oft betroffen seien.

Glaubt man aktuellen Zahlen und Einschätzungen, ist die Krätze, von der viele Menschen lange dachten, sie sie sei ausgerottet, wieder im Kommen. „Der Eindruck, dass die Häufigkeit zugenommen hat, ist deutlich“, sagt Professor Dr. Cord Sunderkötter, Direktor der Dermatologie am Universitätsklinikum Halle (Saale). Niedergelassene Hautärzte und Hautkliniken berichteten von steigenden Patientenzahlen. Die Barmer-Krankenkasse veröffentlichte kürzlich Daten, wonach ihren Versicherten 2017 im Schnitt 60 Prozent mehr Krätze-Medikamente verschrieben wurden als 2016.

Doch Sunderkötter warnt vor zu schnellen Behauptungen. „Das passt alles gut zusammen. Doch es gibt bislang keine wirklich gut auswertbaren Daten, die Rückschlüsse auf die Entwicklung in der Gesamtbevölkerung zulassen“, sagt der Hautspezialist. Dazu müsse es erst eine Studie geben. Er arbeite gerade mit Kollegen an einem Konzept.

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