Tipps für einen gelungenen Impfstart

Impfarzt: Apotheker:innen sollten erst Routine lernen

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Berlin -

Die Covid-19-Schutzimpfung durch Apotheker:innen rückt näher – und zahlreiche Approbierte bereiten sich auf die neue Dienstleistung vor. Der Anästhesist Dr. Daniel Schmitz-Buchholz impfte bereits rund 8000 Patient:innen und riet im APOTHEKE ADHOC Webinar, langsam anzufangen. Denn eine gute Organisation sei zentral, weil sich die Nachfrage schnell verfünffachen könne. Das ganze Webinar zum Anschauen finden Sie hier.

Schmitz-Buchholz betreibt eine Impfstelle mit drei Kabinen und kann dort jeweils 20 Patient:innen pro Stunde impfen. „Höher getaktet wird es stressig und ein bisschen Spaß soll es ja auch machen“, sagt der Mediziner. Zum Ablauf gehöre die Begrüßung, der Impfass-Check und die Kontrolle des Aufklärungsbogens. Zuvor melden sich die Impfwilligen an. Die Zeit könne variieren, je nachdem, ob es sich um eine Erst- oder Auffrischungsimpfung handelt: „Die Aufklärung kann bei einem Booster kurz gestaltet werden“, sagt er.

Stressfaktoren vermeiden

Während die Patientin oder der Patient die Schulter frei mache, könne man Fragen beantworten. „Das kann man stringent machen. Das klingt dann im ersten Moment so, als wäre es nicht patientengerecht, aber die Patienten, die sich dritte oder vierte Spritze abholen, sind ganz dankbar, wenn es zackig geht.“ Damit sei nicht gemeint, keine Fragen zu beantworten, aber die Patient:innen seien mitunter bereits gut aufgeklärt. Dass manche Praxen die Wartezeit von 15 Minuten nach Boosterimpfungen verkürzen, sollten Apotheker:innen zum Start nicht machen, empfiehlt er. „Sonst macht es nur Stress.“

Der Mediziner betont, dass Covid-19-Impfungen durch Apotheker:innen noch am Anfang stünden. „Apotheker tun sich einen großen Gefallen, wenn sie es am Anfang einfach halten.“ Wenn es möglich sei, sollte in der Apotheke oder „idealerweise möglichst in nah angemieteten Räumen, die man dann auch konsistent darauf vorbereiten kann“, geimpft werden. Die Impfung sei im Einzelfall ein „einfacher Prozess“, so Schmitz-Buchholz. Aber wenn sie mehrfach ausgeführt werde, müsse die Organisation stimmen. „Sobald man das anbieten kann, kann sich die Nachfrage verfünffachen, da braucht man robuste Strukturen, die funktionieren.“

Routine mit der Nadel ist nötig

Er warnt vor den Folgen: „Wenn ihnen ein Fehler passiert bei einem Nasenabstrich, ist das vielleicht eine Sache, aber wenn ein Fehler passiert bei einer Dosierung der Impfung oder der Gabe einer Impfung, dann kocht das vielleicht ganz anders hoch und ist sicherlich auch medial kein gutes Signal, wenn irgendwo steht, der Apotheker hat irgendeinen Patienten zu Hause oder eine Gruppe, die sich im Wohnzimmer eingefunden hat, geimpft.“

Eine gewisse Routine im Umgang mit Patient:innen und mit der Nadel sei nötig. „Ich glaube, dass es sehr gut ist, wenn man es im Dutzend oder in einer dreistelligen Zahl erst einmal in einem gewohnten Umfeld getan hat.“

Außerdem rät er Apotheker:innen, sich mit den Ärzt:innen vor Ort abzusprechen, um Reibereien zu vermeiden. Dies gelte insbesondere dann, wenn es um externe Impfungen etwa in Pflegeheimen geht, die besser honoriert werden. Denn dann komme ein „politischer Faktor“ hinzu.

Apothekerin Dr. Sybille Koch-Göpfrich, die mit Schmitz-Buchholz eine akkreditierte Kenntnisschulung zum Thema anbietet, betont die Vorteile einer engen Partnerschaft der Heilberufler: „Schließen Sie sich mit einem Arzt zusammen. Bestenfalls steigert die Zusammenarbeit die Kooperation zwischen Arzt und Apotheker.“

Das ganze Webinar zum Anschauen finden Sie hier.

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