HIV-Diagnose im Nachtdienst

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Berlin -

Die Woche ist schon wieder vorbei und bei Sarah Sonntag steht der Notdienst im Kalender. Sie ist gespannt, was die kommenden Stunden für sie bereithalten und welche Überraschungen auf sie warten. In der Apotheke ist häufig ein hohes Maß an Empathie gefragt: Dass auch in Sarah eine kleine Seelenklempnerin schlummert, kann sie in diesem Notdienst unter Beweis stellen.

Der Dienst beginnt zunächst recht entspannt. Obwohl es draußen kühl und nass geworden ist, halten sich die erkälteten Kunden an diesem Sonntag wohl eher auf dem Sofa auf, eingewickelt in eine große Decke mit einer Tasse Tee. „Das würde ich jetzt auch gern“, seufzt Sarah und nippt an ihrem Kaffee. Max stimmt ihr zu: „Oh ja, ich würde die Nacht auch lieber in meiner Schublade im Labor verbringen.“ Um sich die Zeit zu versüßen, hat Sarah selbstgebackene Kekse mitgebracht. Falls etwas übrigbleibt, haben die Kollegen morgen noch etwas davon.

Doch spät am Abend wird die bisherige Ruhe beendet – die Notdienstklingel geht: Sarah kämpft sich hoch aus ihrem Sessel und gähnt müde. Bevor sie zur Klappe geht, streckt sie sich ausgiebig und nimmt einen Schluck Kaffee. „Pfui, der ist ja eiskalt“, sagt sie. „Du bist wohl doch eingenickt“, grinst Max. Als Sarah die Klappe öffnet, steht eine aufgelöste junge Frau vor ihr. „Ich weiß nicht was ich tun soll“, sagt sie und weint. Sarah versucht sie zu beruhigen. „Ich kann Ihnen bestimmt helfen. Was haben Sie denn für Beschwerden?“, fragt die Apothekerin behutsam. Die Kundin ist zögerlich und sichtlich verzweifelt. Schließlich holt sie einen kleinen Karton aus ihrer Jacke und reicht ihn Sarah. „Er ist positiv!“, sagt sie und bricht erneut in Tränen aus.

Sarah nimmt den Karton entgegen und sieht, dass es sich um einen HIV-Test handelt – damit hatte Sie nicht gerechnet. Der sonst so wortgewandten Apothekerin bleibt zunächst kurz die Stimme weg. Wie findet man in einer solchen Situation die richtigen Worte? Sarah atmet tief durch und öffnet den Karton. Tatsächlich: Der Test zeigt eindeutig ein positives Ergebnis an. „Was mache ich denn jetzt?“, meint die junge Frau. „Mein Leben ist vorbei!“ Sarah kann nicht anders, als die junge Frau in die Offizin zu bitten. Ein solches Gespräch möchte sie nicht durch eine kleine Notdienstklappe führen. In der Apotheke setzen die beiden sich in die Beratungskabine.

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