Herzbericht

Frauen unterschätzen Herzkrankheiten dpa, 25.01.2017 17:00 Uhr

Berlin - Herzinfarkt ist eher Männersache. Das ist nicht nur ein Klischee, das sagt auch die Statistik. Doch beim Blick auf andere typische Herzleiden wie Rhythmusstörungen, Klappenerkrankungen und Herzschwäche zeigt sich ein ganz anderes Bild. Seit Jahren sind deutlich mehr Frauen unter den Toten als Männer, heißt es im neuen Herzbericht. „Frauen mit diesen Herzkrankheiten haben offensichtlich eine ungünstigere Prognose als männliche Patienten“, sagt Professor Dr. Thomas Meinertz, Vorstandschef der Deutschen Herzstiftung. Liegt das vielleicht auch an der gesundheitlichen Versorgung?

Herzkrankheiten haben Gewicht. Nach Daten des Statistischen Bundesamts belegen sie traditionell den Spitzenplatz unter den häufigsten Todesursachen in Deutschland. 2015 starben 356.625 Menschen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung – 157.999 Männer und 198.626 Frauen. Das sind fast 40 Prozent aller Sterbefälle überhaupt. Allein an einem Herzinfarkt starben 50 948 Menschen – 57 Prozent Männer und 43 Prozent Frauen.

Die Zahlen im jüngsten Herzbericht für Deutschland zeigen ein unbekannteres Detail. An Herzklappenkrankheiten starben 2014 zum Beispiel 6180 Männer – aber 9884 Frauen. „Unerwartet groß“ nennen Fachleute diesen Geschlechterunterschied. Das gilt auch für Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche.

Gesichert sei, dass Frauen durchschnittlich sieben bis zehn Jahre später an Herzleiden erkrankten als Männer, berichtet Meinertz. Da Herzprobleme überwiegend eine Krankheit des Alters sind – ab 60 geht es oft richtig los - ist allein das Alter bereits ein höheres Risiko. Dazu kommen hormonelle Unterschiede zwischen Männern und Frauen, eine unterschiedliche Anatomie der kleinen Herzkranzgefäße. Aber auch die Psychologie.
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