Pharmaziestudium

Erstis: „Völlig umsonst ein 250-Seiten-Buch auswendig gelernt!“

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Berlin -

Vom ersten Semester ist nicht mehr viel übrig, Vorlesungen und Labor sind vorbei, die Famulatur steht vor der Tür. Vorher müssen die Erstis aber noch die Klausuren überstehen. Paul Wohlgemuth hat einen guten Lauf. „Die Prüfungszeit geht steil nach vorne“, sagt er. Er sieht und spürt aber auch, wie sie an der Substanz zehrt.

Gefühlt sei er mit den Prüfungen eigentlich schon durch, sagt Paul. Denn Chemie und Physik sind geschafft, nur Mathe steht am Montag noch an. „Das dürfte machbar werden, vor allem weil wir den Bonus haben, dass wir ein kleines Skript mitbringen dürfen.“ Der Prof hat ihnen erlaubt, die wichtigsten der rund 70 Formeln, die sie kennen müssen, auf ein A4-Blatt zu schreiben und mitzubringen. Warum, darüber kann er auch nur mutmaßen. „Ohne die Formelsammlung würde ich mir Sorgen machen, aber so bin ich mir recht sicher, dass ich die notwendigen 50 Prozent der Punkte schaffe.“

Wenn man die Chemie gepackt hat, packt man den Rest auch – so ungefähr klingt es, wenn Paul erzählt. Über 60 Prozent seiner Kommilitonen sind beim ersten Versuch durchgefallen. Er hingegen gehört nicht nur zu den besseren 40 Prozent, sondern offenbar zu den besten. 30 von 47 Punkten hatte er, 23 brauchte man zum Bestehen, die besten Kommilitonen haben 35 Punkte. Sein Ergebnis kann sich also sehen lassen. Und das, obwohl die Prüfung mit einem Dämpfer begann.

„Ich hatte mich komplett falsch vorbereitet, für alle 40 Ionen habe ich je zwei Nachweise gepaukt“, sagt er. „Ich habe völlig umsonst ein 250-Seiten-Buch auswendig gelernt!“ Stattdessen sei „sehr viel allgemeines Zeug drangekommen“. Egal, es hat ja trotzdem mehr als gereicht. Bei vielen Freunden und Kommilitonen sah das anders aus. Eine Freundin habe trotz intensiven Lernens nur 14 Punkte geschafft, ein anderer Kumpel ist ebenfalls durchgefallen und paukt nun umso härter, damit er es im zweiten Anlauf schafft. „Er ist aber recht sicher, dass es was wird.“

Wiederum ein anderer Bekannter hat es geschafft, zu den wenigen mit 35 Punkten in der Chemieprüfung zu gehören. „Der hat aber auch schon eine PTA-Ausbildung hinter sich, in der er aus Langeweile schon mal ein ganzes Buch über anorganische Chemie durchgearbeitet hat“, erklärt Paul die Spitzenleistung.

Durchgefallen hier, Lernstress dort – am Ende des ersten Semesters geraten viele Studenten erstmals an ihre Grenzen. Entsprechend ist die Zeit nicht gerade förderlich für das Sozialleben. „Seit die Vorlesungen vorbei sind, sieht man die meisten Kommilitonen gar nicht mehr. Die hocken nur noch zu Hause und lernen“, stellt er fest. „Und die, die man sieht, sind alle gestresst. Die sind nicht mehr so witzig wie im Semester.“ Und bis sich das wieder ändert, geht noch Zeit ins Land. Schließlich schaffen es laut Pauls Schätzung nur 20 bis 30 Prozent des Jahrgangs, alle drei großen Prüfungen – Chemie, Physik, Mathe – beim ersten Versuch zu schaffen. Noch bis Ende März gibt es also Nachprüfungen. Pauls Prognose: „Das wird sicherlich noch bis ins zweite Semester hinein dauern, bis die alle wieder normal sind.“

Dabei hatte er auch für sich selbst weniger Sozialleben befürchtet. „Interessanterweise dachte ich vorher auch von mir selbst, dass ich alleine mein eigenes Ding mache, doch dann habe ich mich oft mit Kommilitonen getroffen und zu Hause oder einem Café gelernt. Das ging erstaunlich gut.“ Dennoch, er freue sich schon auf die Famulatur – denn da dürfte der Stresspegel erst einmal ordentlich sinken. „Da kann man bestimmt schön viel Mist machen, wenn man so viel Zeit hat und keine Hausaufgaben“, sagt er und muss lachen. „Ich glaube, die Famulatur wird richtig super.“

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