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Diebe bringen XXL-Pille zurück

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Berlin -

Über Nacht hatten unbekannte Täter eine neun Kilogramm schwere Kapsel vom Pillentaxi der Sonnen-Apotheke in Mönchengladbach abmontiert. Doch die Inhaberin Andrea Prochaska wollte das Markenzeichen des Botendienstes nicht so leicht aufgeben. Sie erstattete nicht nur Anzeige, sondern setzte auch auf Soziale Medien. Nur wenige Tage später war das gute Stück wieder an seinem Platz. Allerdings verkehrt herum. Es ist nicht das erste Mal, dass die auffällige Pille von einem Botenauto verschwindet.

Unbekannte haben vom Pillen-Taxi der Sonnen-Apotheke in Mönchengladbach eine 1,20 Meter lange und neun Kilogramm schwere Pille geklaut. Der Wagen war am Abend gegen 17.30 Uhr nach der letzten Tour vor der Sonnen-Apotheke geparkt worden, berichtete Eleni Zachari-Aslanidis, die als PTA in der Sonnen-Apotheke arbeitet, der Rheinischen Post. Da war der Werbeaufbau noch fest auf dem Dach des Smart montiert. Am nächsten Morgen war das auffällige Markenzeichen mitsamt der speziellen Dachhalterung weg.

„Ich bin dann gleich zur Polizei gefahren, um eine Anzeige zu erstatten“, berichtet sie weiter. „Als ich sagte, dass uns eine Pille gestohlen wurde, hat mich der Polizist angeguckt, als hätte ich morgens um 11 Uhr schon den ersten Schnaps getrunken.“ Die PTA sei mit dem „Smart ohne Pille“ zum Polizeirevier gefahren. Ihre Chefin, die sich zum Tatzeitpunkt im Urlaub befand, empfahl ihr ein Bild vom „Smart mit Pille“ mitzunehmen. „Das Foto habe ich dann gezeigt und gesagt: Erkennen Sie den Unterschied?“, wird Zachari-Aslanidis im Bericht zitiert.

Die Anzeige wurde schließlich von der Polizei aufgenommen, die sofort einen öffentlichen Aufruf startete und nach der rot-weißen Riesenpille fahndete. „Zeugen, die tatrelevante Beobachtungen gemacht haben oder sachdienliche Hinweise zum Verbleib des Werbeaufsatzes machen können, werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden“, heißt in der Polizeimeldung.

Doch die Inhaberin der Sonnen-Apotheke wollte sich nicht allein auf die Polizei verlassen. Sie hat einen Finderlohn von 100 Euro ausgesetzt und die Meldung vom Pillendiebstahl unter der Überschrift „Gesucht wird: die begehrteste Pille“ auf Facebook-Seite der Apotheke veröffentlicht. In den Kommentaren darunter rätselten die Kunden der Apotheke munter, was der Dieb wohl mit der Pille anfangen will. „Da waren einige sehr kreative und witzige Ideen dabei, auch wenn mir zu dem Zeitpunkt nicht wirklich zum Scherzen zu Mute war“, erzählt Prochaska.

Ob es dem Fahndungsaufruf der Polizei oder den Aktivitäten der Sonnen-Apotheke in den Sozialen Medien zu verdanken ist, jedenfalls ist der Werbeaufbau nur wenige Tag – wieder über Nacht – auf dem Dach des Pillentaxis aufgetaucht. Wenn auch verkehrt herum. „Wir freuen uns natürlich, dass die Pille wieder da ist“, sagt die Apothekerin. Sie vermutet, dass der mediale Druck den Tätern wohl doch zu groß geworden ist. Denn der Diebstahl der Pille hatte in Mönchengladbach für viel Aufsehen gesorgt. Nicht nur wurde der Aufruf der Apotheke fleißig auf Facebook geteilt. Mehrere Medien, darunter Rheinische Post, die Bild-Zeitung und Sat.1, haben über den Diebstahl berichtet. „Wir hätten nie mit einer solchen Resonanz gerechnet“, sagt Prochaska.

So ärgerlich der Diebstahl einerseits war, hat er doch auf der anderen Seite auch positive Auswirkungen gehabt. „Durch die Berichterstattung ist natürlich auch der Bekanntheitsgrad der Apotheke gestiegen“, gibt die Apothekerin zu. „Wenn meine Mitarbeiterinnen jetzt mit dem Auto unterwegs sind, zeigen viele Menschen auf die Pille und halten den Daumen hoch.“ Dennoch sei sie sehr glücklich, dass das Markenzeichen wieder da und die Sache abgeschlossen ist.

Es ist nicht das erste Mal das die Riesen-Pille von einem Pillen-Taxis gestohlen wird. Vor wenigen Monaten wurde eine ähnliche XXL-Pille vom Dach eines Pillentaxis der Enzian-Apotheke in Kassel geklaut. Leicht gemacht haben es sich die Diebe nicht. Die Pille ist etwa anderthalb Meter lang und rund 25 kg schwer. Die Täter mussten dazu sogar ein Stahlseil kappen.

Auch Inhaberin Wiebke Deichsel hat eine Belohnung ausgesetzt. 200 Euro sollte derjenige bekommen, der einen entscheidenden Hinweis zum Verbleib des Werbeaufbaus liefert. „Die ganze Region hat beim Suchen geholfen“, erinnert sich die Apothekerin. „Wir haben sehr gehofft, dass die Pille gefunden wird.“ Denn immerhin koste das gute Stück neu rund 1000 Euro. Doch im Gegensatz zu Mönchengladbach gab es in Kassel kein Happy-End. Bis heute ist die XXL-Pille nicht wieder aufgetaucht. Nachdem das Pillentaxi der Enzian-Apotheke acht Wochen lang „oben ohne“ auskommen musste, hat die Apothekerin schweren Herzens eine neue Riesen-Pille angeschafft.

Pillentaxi-Gründer Dominik Riemer, der das Geschäft mittlerweile an Michael Walter abgegeben hat, kann sich an mindestens zwei weitere Fälle erinnern. Einmal war die gestohlene Pille wie in Mönchengladbach wieder aufgetaucht – der Dieb hatte sie sich zur Dekoration ins Wohnzimmer gestellt und war damit aufgeflogen.

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