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Pille von Botenauto geklaut

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Berlin -

Die große Pille auf dem Heck des Botenautos ist das Markenzeichen der Pillentaxis. Die Enzian-Apotheke in Kassel muss vorerst darauf verzichten: Bislang unbekannte Täter entwendeten den Werbeaufbau – und kappten dazu sogar ein Stahlseil. Inhaberin Wiebke Deichsel hätte die Pille gern wieder und hat eine Belohnung ausgesetzt.

Leicht gemacht haben es sich die Diebe nicht. Die Pille ist etwa anderthalb Meter lang und rund 25 kg schwer. Die vier Saugnäpfe auf der Scheibe sind mit Schlössern gesichert, außerdem gibt es ein Stahlfangseil zur Sicherung. Dieses wurde offenbar mit einem Bolzenschneider durchtrennt.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde der Aufbau in der Nacht gestohlen. Apothekerin Deichsel wundert sich trotzdem, dass niemand etwas bemerkt hat: „Gegenüber ist ein Wohngebiet und ein Imbissladen nebenan hat noch bis spät in der Nacht geöffnet.“ Der Nissan stand in der fraglichen Nacht in der vergangenen Woche vor der Apotheke auf dem Kundenparkplatz.

Deichsel hat eine Belohnung von 200 Euro ausgesetzt, wenn die Pille zurückkommt. „Die ganze Region hilft beim Suchen“, freut sich die Apothekerin über die Unterstützung der Kunden. Natürlich hätte sie die Pille gerne zurück, denn neu kostet das gute Stück rund 1000 Euro. Parallel ist Deichsel mit ihrer Versicherung im Gespräch.

Es ist nicht das erste Mal, dass die auffällige Pille von einem Botenauto geklaut wird. Pillentaxi-Gründer Dominik Riemer, der das Geschäft mittlerweile an Michael Walter abgegeben hat, kann sich an mindestens zwei Fälle erinnern. Einmal war die gestohlene Pille wieder aufgetaucht – der Dieb hatte sie sich zur Dekoration ins Wohnzimmer gestellt und war damit aufgeflogen.

Riemer hatte den Apothekern immer geraten, die Pille nachts in den Kofferraum zu legen. Das sei mit wenigen Handgriffen zu erledigen. Und das ist auch gut so, damit die Botenautos in die Waschanlage fahren können. Ansonsten könnte sich der Marketingeffekt schnell ins Negative verkehren.

Deichsel ist von dem Konzept überzeugt: „Wir bekommen viele neue Kunden damit, die das Auto in der Stadt fahren sehen.“ Nur den Onlineshop hat sie wieder abgeschaltet, der habe überhaupt nichts gebracht. Doch in der Offizin werde das Angebot gut angenommen: „Eigentlich ist es ein ganz normaler Lieferservice, nur etwas offensiver“, so Deichsel.

Die Apothekerin freut sich, dass das 2010 gegründete Konzept jetzt unter neuen Führung durchstarten will. Zum Jahresbeginn hat der ehemalige Awinta-Vertriebschef Michael Walter das Ruder von Lena und Dominik Riemer übernommen und bei den knapp 70 Teilnehmern vorgestellt. Er will mit Pillentaxi Größen wie Amazon Paroli bieten.

Vor allem Apotheken in Großstädten sollen ein besonderes Angebot erhalten. Ziel ist eine Plattform, auf der Apotheken ihren Botendienst quasi auslagern können. Der Inhaber bucht die Ausfahrt der Arzneimittel dabei wie eine Dienstleistung. „Quasi ein Foodora im Gesundheitsmarkt oder Lieferheld für Apotheken“, erklärt Walter.

Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Versanderlaubnis der Apotheke. „Für die Kunden wird es sich aber wie der normale Botendienst anfühlen“, erklärt Walter. In einem Zeitfenster von zwei bis vier Stunden muss das Arzneimittel abholbereit in der Apotheke sein. Denn die Auslieferung am selben Tag ist Walter zufolge heute eine unabdingbare Voraussetzung, damit so ein Konzept von den Verbrauchern angenommen wird. Das Angebot soll zunächst auf verschreibungspflichtige Arzneimittel beschränkt sein. Im zweiten Schritt könnten die Top 100 oder Top 200 OTC dazu kommen, erklärt Walter. Einen Gebietsschutz wird es wohl auch künftig geben.

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