Schlafstörungen

Das Geschäft mit dem Schlaf: Intensivkurs statt Pillen dpa, 14.06.2019 13:17 Uhr

Berlin - Tablette, Technikgadget oder Spezialmatratze – bei Schlafstörungen haben Betroffene die Qual der Wahl. Mit dem Versprechen einer erholsamen Nacht wollen viele Anbieter Geld verdienen. Doch längst sind es nicht mehr nur OTC-Produkte: Um die weitverbreiteten Schlafstörungen herum ist ein ganzer Wirtschaftszweig gewachsen.

Baldrian für zehn Euro, spezielle Decken für 200 Euro oder die Luxusmatratze für 8000 Euro – wer bei Schlafproblemen im Internet Hilfe sucht, bekommt den Eindruck, dass eine erholsame Nacht nicht zum Nulltarif zu haben ist. Rund um das Thema Schlaf hat sich eine Industrie etabliert, die nahezu alle Aspekte abdeckt: Programme vermessen die Nachtruhe, Nahrungsergänzungsmittel sollen beim Einschlafen helfen, physische Hilfsmittel die Schlafqualität verbessern.

Wer Schlafstörungen hat oder glaubt, welche zu haben, greift oft zu Arzneimitteln. 228 Millionen Euro werden nach Auskunft des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH) pro Jahr mit Schlaf- und Beruhigungsmittel umgesetzt – Tendenz steigend. Die Präparate sind in den Top 10 der umsatzstärksten rezeptfreien Mittel. „Aus schlafmedizinischer Expertensicht ist es so, dass wir nur die Produkte empfehlen können, deren Wirksamkeit belegt ist“, sagt Hans-Günter Weeß vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) mit Sitz in Nordhessen. Und betrachte man Studien, dann gebe es für viele pflanzliche Mittel keinen Wirksamkeitsnachweis. „Wenn etwas hilft, dann bei leichten Schlafstörungen am ehesten noch Baldrian hoch dosiert.“

Auch erhältlich sind aber Nahrungsergänzungsmittel, zu denen auch Vitamine und Mineralstoffe zählen. Das Schlafhormon Melatonin beispielsweise gibt es in beiden Formen. „Freiverkäufliches Melatonin scheint bei Ein- und Durchschlafstörungen nur zu helfen, wenn diese beim Jetlag auftreten“, erklärt Weeß. Verschreibungspflichtige Schlafmittel wirken zwar eher, können aber gefährlicher werden. „Primäre Schlafmittel, sogenannte Benzodiazepine und auch Z-Substanzen, können zur Gewöhnung und Abhängigkeit führen.“

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