Doxylamin als Schmelztablette

Hoggar zergeht auf der Zunge

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Berlin -

Sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht, davon können Menschen mit Insomnie nur träumen. Etwa 30 Prozent der Deutschen leiden unter Schlafstörungen. Zur kurzzeitigen Behandlung können chemische Präparate mit Doxylamin eingenommen werden. Stada hat den Klassiker Hoggar Night neu aufgelegt und bringt das Schlafmittel zum 15. April als Schmelztablette auf den Markt.

Eine Schmelztablette enthält 25 mg Doxylamin und kann zur symptomatischen Kurzzeitbehandlung von gelegentlich auftretenden Schlafstörungen bei Erwachsenen angewendet werden. Die Einnahme erfolgt ohne Wasser. Betroffene legen eine Schmelztablette auf die Zunge, wo diese sich auflöst. Bereits ab der ersten Anwendung tritt innerhalb von 30 Minuten die Wirkung ein. Im Design bleibt sich Stada treu: Die Schmelztabletten kommen in einer blauen Verpackung mit gelbem Mond und weißem Schriftzug in die Apotheken. Auf die neue Darreichungsform wird in einem gelben Balken unter der Arzneimittelbezeichnung hingewiesen. So kann die Neueinführung vom Klassiker zum Schlucken unterschieden werden. Das Arzneimittel ist für Menschen mit akuten Schlafstörungen in allen Lebenslagen geeignet. Dazu gehören beispielsweise Vielflieger, Geschäftsreisende oder Berufstätige. Von der neuen Darreichungsform können auch Menschen mit Schluckbeschwerden profitieren.

Stada hat von September 2015 bis November 2016 eine bundesweite Anwendungsbeobachtung zur Tablette durchgeführt. Etwa 300 Teilnehmer sprachen Hoggar Night eine deutliche Verbesserung der Schlafqualität bei akuten Schlafstörungen zu. Außerdem wurde die Verträglichkeit von mehr als 80 Prozent der Befragten mit „gut“ bis „sehr gut“ bewertet.

Das H1-Antihistaminikum kam ursprünglich als Heuschnupfenmittel auf den Markt und besitzt eine schlaffördernde Wirkung, weshalb es bei Ein- und Durchschlafstörungen eingesetzt werden kann und in der S3-Leitlinie aufgeführt ist. Der Wirkstoff kann sowohl bei Ein- als auch Durchschlafstörungen verwendet werden. Doxylamin hemmt den Einfluss von Histamin, der körpereigenen Wachsubstanz, und kann so den Einschlafprozess binnen etwa einer halben Stunde beschleunigen. Eine bis zwei Tabletten sollten eine halbe Stunde bis Stunde vor dem Zubettgehen eingenommen werden. Verwender sollen darauf achten, eine Schlafdauer von acht bis neun Stunden einzuhalten, um am nächsten Tag der Nacht nicht noch „hinterher zu hängen“. Zur Langzeitanwendung ist Doxylamin nicht geeignet.

„Grundsätzlich gilt: Schlafmittel sollten immer nur kurzfristig (maximal zwei Wochen) eingenommen werden. Denn sie lindern nur die Symptome, wirken aber nicht auf die Ursache“, sagt Dr. Alexander Bau, Schlafmediziner aus Berlin. „Diese natürliche Unterstützung der Schlafregulation führt weder zu einer Abhängigkeit noch zu einer künstlichen Beeinflussung der Schlafarchitektur.“

Doxylamin zur Behandlung von Schlafstörungen bei Kindern bis zum Alter von 18 Jahren fällt seit 1. Januar unter die Verschreibungspflicht. Der Sachverständigenausschuss hatte sich mehrheitlich für einen Rx-Switch ausgesprochen. Der Einsatz des Arzneistoffes bei Kindern wurde heftig diskutiert. So kann das eigentlich zur Beruhigung gedachte Arzneimittel teilweise zu Unruhe, Halluzinationen, Angst und Krämpfen führen. Die größte Gefahr besteht jedoch durch das mögliche Auftreten einer Atemdepression, wenn das Medikament überdosiert wird. Das Kind kann das Bewusstsein verlieren und einen Atemstillstand erleiden.

Im vergangenen Sommer hatte Stiftung Warentest 55 Schlafmittel aus Apotheke und Drogerie bewertet. Das Ergebnis überrascht, denn das Verbraucherportal sieht Antihistaminka als Mittel der Wahl. Aus Sicht der Tester sind Doxylamin und Diphenhydramin die besten rezeptfreien Arzneimittel – gefolgt von Baldrian-Präparaten. Warentest schränkt die Anwendung der chemischen Schlafmittel jedoch ein. Die Präparate sollten nur wenige Tage – maximal zwei Wochen – angewendet werden. Ein Gebrauch über diesen Zeitraum hinaus führe zu Gewöhnung und Dosissteigerung sowie einem höheren Risiko für Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit und Verwirrtheit. Das Verbraucherportal rät älteren Patienten von einer Verwendung ab.

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