Aggressive Bettler verunsichern Apothekenkunden | APOTHEKE ADHOC
Bad Säckingen

Aggressive Bettler verunsichern Apothekenkunden

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Berlin -

In Bad Säckingen und Umgebung fühlen sich viele Menschen von aggressiven Bettlern aus Rumänien regelrecht bedrängt. Geschäfte fürchten, dass Kunden wegbleiben könnten. Die Inhaberin der Schwarzwald-Apotheke, Beatrix Ullrich, hat sogar zwei Zettel an die Scheiben ihrer Apotheke geklebt, um deutlich zu machen, dass Betteln verboten ist. Das Problem ist in der Stadt seit Jahren bekannt. Für Polizei und Ordnungsamt ist der Handlungsspielraum allerdings beschränkt.

„Im Bereich des Lohgerbe Einkaufcenters ist Betteln nicht gestattet“, steht auf einem der Aushänge. Daneben hängt der Zettel mit der rumänischen Übersetzung. „Wir sehen, dass überwiegend Rumänen hierher kommen und betteln“, wird die Apothekerin in einem Bericht der Badischen Zeitung zitiert. „Daher habe ich das übersetzten lassen.“ Ullrich fürchtet, dass Kunden abgeschreckt werden könnten, wenn vor der Tür der Apotheke, die sich im Lohgerbe Einkaufszentrum befindet, Gruppen von Bettlern warten.

Im Artikel berichtet die Apothekerin von hinterlassenem Müll und zunehmend aufdringlichem Vorgehen der Bettler. „Wenn sie dort frühstücken, sieht es am Nachmittag nicht mehr so gut aus“, sagt Ullrich. In den vergangenen Jahren habe sich das Problem zugespitzt. Die Bettler würden immer penetranter und treten zunehmend in Gruppen auf.

Leser der Zeitung bestätigen die Schilderung der Apothekerin in Facebook-Kommentaren. „Am Bahnhof laufen die mit kleinen Kindern rum und wenn man nein sagt, beschimpfen sie dich“, schreibt Giusi Lo Voi Beickler. „Wenn sie sehen, dass man selbst Kinder hat, werden die aggressiv, wenn man nichts gibt.“ „Besonders schlimm finde ich es, wenn ältere Menschen angebettelt werden“, kommentiert Uwe M. Böhler. „Dies oft so aufdringlich, dass diese sich bedroht fühlen und etwas geben, nur um der Situation zu entkommen.“ Eine weitere Facebook-Nutzerin schreibt, dass sie nur in die Stadt gehe, wenn sie wirklich muss. „Es macht echt kein Spaß mehr, weil sie sehr aufdringlich sind“, beklagt sie.

Neu ist das Problem nicht. „Wir stellen in den letzten Jahren fest, dass vermehrt Bettler aus dem osteuropäischen Raum am Hochrhein anzutreffen sind“, bestätigte der Leiter des Polizeireviers, Albert Zeh, gegenüber der Badischen Zeitung. Laut der Beobachtung der Polizei, haben sich mehrere Großfamilien den Landkreis aufgeteilt. Denn bei Kontrollen durch Polizeibeamte würden immer wieder dieselben Namen fallen.

Der Spielraum der Polizei ist allerdings beschränkt. Denn das Betteln ist grundsätzlich nicht verboten. Was genau erlaubt ist, wird von jeder Kommune in den Ortssatzungen festgelegt. In Bad Säckingen ist Betteln demnach erlaubt. Aggressives Betteln und mitleiderregendes Betteln dagegen, beispielsweise, wenn man eine Krankheit zur Schau stellt, seien verboten, erklärt die Polizei.

Die Unterscheidung sei aber nicht immer einfach, räumt der Polizeichef ein und liefert gleich mehrere Beispiele. „Wir hatten mal jemanden, der hatte kein Bein“, erzählt er. „Er kann ja nicht anders, als das zu zeigen. Ist das dann mitleiderregend? Ähnlich sei das, wenn Kinder im Spiel sind. Wenn diese jedoch in den Vordergrund gestellt werden, sei die Grenze überschritten.

Solange sich das Betteln im legalen Rahmen bewegt, hat die Polizei kaum eine Handhabe. Zeh rät deshalb, zu prüfen, wem auf der Straße man Geld gibt. Wenn Bettler aufdringlich würden, empfiehlt der Beamte die Polizei zu rufen. Am Ende hänge das Geschäftskonzept der organisierten Bettler daran, dass die Leute ihnen etwas geben. Solange sich Betteln lohnt, wird es auch gemacht.

Auch andere Kommunen im Kreis sind offenbar betroffen. Die Stadt Waldshut hat jüngst die Regeln fürs Betteln verschärft. Vor wenigen Tagen warnte die dortige Polizei vor aggressiven Bettlern. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Freiburg würden Bettler, die organisiert unterwegs sind, Passanten den Weg versperren, vor Lebensmittelmärkten Kunden den Einkaufswagen festhalten, sie beleidigen oder sogar anpöbeln.

Auch das sogenannte „Spendensammeln“ wurde vermehrt beobachtet. Diese Personen geben teilweise vor, Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Die Polizei warnte davor, dass dieses Vorgehen strafbar ist und als Sammlungsbetrug verfolgt werde. In den vergangenen Wochen seien mehrere Vorfälle dieser Art gemeldet worden, so die Polizei. Ein Fall ereignete sich im Raum Waldshut auf dem Parkplatz eines Discount-Marktes. Dort war eine ältere Frau gleich von mehreren Personen massiv bedrängt worden.

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