Ehrenerklärung: Keine Werbegeschenke mehr

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Berlin - Eine Gruppe von Apothekern im westfälischen Witte wehrt sich mit einer Zeitungsanzeige gegen einen Kollegen, der sie in einem anonymen Brief beschuldigt hatte, Boni auf Rx-Arzneimittel zu geben. Das will er durch Testkäufe herausgefunden haben. Die Mehrheit der Wittener Apotheker hat nun mit einer großflächigen Anzeige in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) eine Art Ehrenerklärung abgegeben, keine Werbegeschenke mehr abzugeben und die Gesetze einzuhalten. „Wir denken: Vertrauen und Qualität zahlt sich aus“, heißt es in der Anzeige. Unterzeichnet ist die Anzeige mit „Ihre Wittener Apotheken“.

Nach Angaben der Initiatoren haben an der Anzeigenaktion „fast alle“ Wittener Apotheken teilgenommen. In der Anzeige weisen die Apotheker zunächst auf das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 6. Juni 2019 zum Verbot von Werbeabgaben bei Rx-Arzneimitteln hin. Verbraucher dürften bei der Entscheidung, in welche Apotheke sie gingen, nicht durch „unsachliche Werbezugaben“ beeinflusst werden, heißt es dort. In Deutschland gelte für verschreibungspflichtige Medikamente überall der gleiche Preis. Die Preisbindung dürfe nicht unterlaufen werden, um die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln nicht zu gefährden. „Denn alle 36 Stunden schließt in Deutschland eine Apotheke. Weitere Schließungen von Apotheken wären sonst auch in Witten zu erwarten“, so der Anzeigentext.

Das Urteil habe für die Wittener Apotheken bereits spürbare Konsequenzen, denn „interessierte Kreise“ – gemeint ist jener Kollege, der die Testkäufe durchgeführt haben will – hätten den Apotheken mit rechtlichen Folgen und spürbaren Strafen bei weiterem Ignorieren des Gesetzes gedroht. Dann folgt die „Ehrenerklärung“: „Wir (die teilnehmenden Wittener Apotheken) haben uns dazu entschieden, die Abgabe von Werbegeschenken bei der Abgabe von verschreibungspflichtigen Medikamenten deshalb einzustellen. Wir bitten dafür um Ihr Verständnis!“ Auch die Umwelt werde dies danken, weil damit der Verpackungsmüll reduziert werde. In Witten werde man daher vermutlich nur noch „vereinzelt“ Apotheken finden, die das gesetzliche Verbot ignorierten. „Die teilnehmenden Apotheken dagegen garantieren Ihnen die Einhaltung von Gesetzen und Vorgaben sowohl bei Ihrer Arzneimittelversorgung als auch beim Werbeverbot“, schließt die Anzeige mit einer Selbstverpflichtung.

Den Text wesentlich mit verfasst hat Michael Trubitz, wirtschaftlicher Leiter der Apotheke am Bodendorn und Ehemann von Inhaberin Christina Herrmann-Trubitz. Die Idee sei aus den Gesprächen im Kollegenkreis über den Drohbrief des Testkauf-Apothekers entstanden, erklärt er auf Anfrage. „Im Rahmen der Diskussion wurde die Idee geboren, das Thema und die Konsequenzen daraus den Wittener Apothekenkunden im Rahmen einer Annonce zu erklären“, so Trubitz. Dass die Annonce eine allzu große Wirkung entfaltet, glaubt er nicht. Was er aber gern erreichen wolle, seien „möglichst wenig Diskussion in der Apotheke“, sagt er. „Die Kunden sollen die Argumentationskette kennen und die Mitarbeiter auch.“ Der „Otto-Normal-Kunde“ werde sich aber wieder fragen, ob es in Deutschland nicht wichtigere Rechtsfragen gebe. „Und wer will ihm das verdenken!“, sagt Trubitz.

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