Apothekenstreik: „Ab 12 machen wir dicht!“ | APOTHEKE ADHOC
Honoraranpassung, gedeckelte Aufschläge, Rabattverträge

Apothekenstreik: „Ab 12 machen wir dicht!“

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Berlin -

Heute wird gestreikt! Ab 12 Uhr schließen viele Apotheken in Schleswig-Holstein, Brandenburg, Hamburg und im Saarland die Offizin, um gegen die immer schlechter werdenden Bedingungen im Apothekenalltag zu protestieren. Neben dem GKV-Finanzstabilisierungsgesetz (GKV-FinStG) müssen zusätzlich steigende Energiekosten, Personalmangel und Zusatzaufgaben wie Maskenausgabe und Coronatests von Apotheken geschultert werden. Immer mehr Apotheken können das finanziell nicht mehr stemmen – die Zahl der Betriebe sinkt seit Jahren.

Christiane Patzelt, Inhaberin der Landapotheke in Leegebruch, wird heute ab 12 Uhr die Apothekentür ebenfalls schließen. Aufmerksam macht Patzelt auf die Missstände in ihrem Beruf mit einem großen schwarzen Tuch, das die Schaufenster verdeckt. Zuvor überlegte sie gemeinsam mit ihrem Team, welche Schlagworte den Anlass verdeutlichen können: „Wir möchten Schilder auf das Tuch kleben mit den wichtigsten Aussagen zum Streik. Ich möchte meine Kund:innen aber auf keinen Fall verärgern. Sie sollen verstehen, wie wichtig diese Aktion heute für die Apotheken vor Ort ist. Sätze wie 'Die Apotheken werden kaputtgespart' erreichen die Leute nicht.“ Patzelt wolle eine negative Auslegung seitens der Patient:innen vermeiden. In den Köpfen sei immer noch die Maskenverteilung präsent: „Leider glauben viele, die Apotheken hätten doch so gut verdient mit den Masken, warum sollten die jetzt auch noch streiken...“

Es sei eine große Herausforderung, mit Kund:innen angemessen über die prekäre Situation zu diskutieren: „Wir haben sehr unruhige Zeiten, die Menschen brauchen etwas Verlässlichkeit, die Apotheke bietet eine gewisse Sicherheit. Diese fällt in dem Moment weg, in dem man einfach zusperrt. Zudem sprechen unsere Kund:innen eine andere Sprache“, so Patzelt.

Um die Patient:innen vorzubereiten, kündigte sie die Beteiligung am heutigen Streik schon Tage zuvor in den sozialen Medien an. „Wir haben hier eine breite Comunity mit etwa 1000 Followern. Ich denke es hat sich gut herumgesprochen, dass die Apotheke heute zu bleibt. Themen wie Lieferengpässe, Honorarkürzungen und Rabattvertäge ließen sich schlecht erklären. Sollte auch noch der von Krankenkassen vorgeschlagene Honorardeckel für Hochpreiser durchgesetzt werden, betont Patzelt, dass es wirtschaftlich nicht mehr abbildbar wäre. „Hochpreiser machen etwa ein Drittel des Umsatzes aus, das geht dann richtig ins Geld.“

Bereits 2012 trat Patzelt vor den Bundesrat und verteilte dort Zitronen, um gegen Honorarkürzungen und die Apotheke light – eine Apotheke ohne Labor und Rezeptur – zu protestieren. Morgen plant Patzelt einen weiteren Auftritt vor dem Bundestag: „Ich werde dort den Unmut über die Situation weiter kundtun und wenn ich da alleine stehe, es muss endlich was getan werden. Entweder bringen wir bald Geld von zu Hause mit oder wir unterlaufen den Kontrahierungszwang! So geht es jedenfalls nicht weiter!“

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