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Das plant Gabrielle

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Berlin -

Bei Meerhexe Merkel wollten die Apotheker nicht vorsprechen, sie sind nämlich belesen. Und modern. Deshalb wussten sie von und gingen zu Vizehexe Gabrielle, um sich ihren Traum von einer unsterblichen Honoraranpassung zu erfüllen. Doch sie wurden getäuscht und alle ihre Forderungen sind Schaum auf dem Meer. Und wenn sie nicht geschlossen haben, dann warten sie noch heute. ENDE.

Noch länger konnte man die Apotheker beim besten Willen nicht hinhalten. Immer nur diese leeren Honorarversprechungen, das konnte auf Dauer nicht gut gehen. Man grübelte lange im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi). Den Trick mit der homöopathischen Erhöhung hatte die FDP schon verbraten. Doch dann hatte ein namenloser Ministerialreferent eine brillante Idee, wie man die Apotheker mit ihren eigenen Waffen schlagen könnte.

Der Mitarbeiter aus dem Haus von Sigmar Gabriel (SPD) war zufällig auf die Idee gekommen, als er im Netz über den Leitbildprozess der Apotheker gestolpert war. Die Pharmazeuten mochten es anscheinend gerne etwas aufgebläht und verkopft. Wenn man das Honorarthema nun ebenso (pseudo-)wissenschaftlich anginge? Eine erste Skizze überzeugte den Abteilungsleiter.

Das geplante Gutachten zum Apothekenhonorar ist ein gesetzgeberisches Überraschungsei, denn es erfüllt gleich drei Wünsche auf einmal: Das Ministerium muss sich die Mühe im Sinne größerer Glaubwürdigkeit erstens nicht selber machen, sondern ein externes Institut beauftragen. Eine praktische Umsetzung fiele zweitens praktischerweise vielleicht in den Wahlkampf (keine Zeit) oder in die nächste Legislatur (nicht mehr zuständig). Und die zahllosen Stellschräubchen der Arzneimittelpreisverordnung geben drittens immer noch genug Freiheit, zu einem gewünschten Ergebnis zu gelangen.

Und spätestens an dieser Stelle hinkt der Vergleich mit dem Überraschungsei. Bei dem weiß man nämlich nicht vorher, was drin ist. Ganz anders beim Apothekenhonorar. Das bleibt, Gutachten hin oder her, nun einmal ein Politikum. Wenn im Herbst 2017 die Versicherten unter Zusatzbeiträgen stöhnen, fließt das einfach in die Berechnung mit ein. Bleibt unter dem Strich? Richtig gerechnet: 0,0001 Cent mehr pro Packung. Echt runden und dann gerecht auf Fixum, Rezeptur, BtM und Notdienst verteilen. Fertig ist die AMPreisV-Reform.

Kein Wunder, dass sich die Apotheker von der Politik alleingelassen fühlen. Beim Deutschen Apothekertag (DAT) waren sie es sogar bildlich. Ganz anders die Expopharm: Die Pharmamesse konnte in diesem Jahr einen Besucherrekord verzeichnen. Wie viele der mehr als 28.000 Messegänger allerdings potenzielle Kunden, wie viele eher FIP-Touristen waren, wissen wir nicht. Schön war's jedenfalls wieder.

Alleingelassen fühlen sich aber auch viele PTA, vornehmlich die jüngeren. Wenn der Kunde auf seinem gewohnten Präparat besteht, laut oder sonst wie ausfällig wird, wissen die Unerfahrenen im Team oft nicht weiter. Kein Wunder, die PTA-Ausbildung bereitet auf solche Situationen nicht besser vor als das Pharmaziestudium. Tipp an die Chefs: Löwenmutter sein und gutes Vorbild. Tipp an die Frischlinge: Rüpel erschlägt man am besten mit Freundlichkeit.

Oder man verklagt sie. Wenn etwa ein Großhändler in den Markt kommt und sich nicht an die Spielregeln hält, also an Intransparenz. Die Wettbewerbszentrale streitet sich mit AEP, ob Skonti Rabatte sind. In einer Sache ist sich die Klägerin jedenfalls sicher: Die 70 Cent aus der Großhandelsvergütung gehören dem Großhändler, egal wie versteckt die Rabattkürzungen sind. Man will der Branche ja nicht aus Versehen noch mehr wegnehmen.

Andere halten sich nicht mit undurchsichtigen Rechnungen auf, sondern stehlen gleich ganze Tresore aus der Apotheke. Mit der entsprechenden Logistik und Lagern wäre das sogar eine Geschäftsidee. Aber in Bad Pyrmont wurden die guten Tresore samt BtM achtlos am Feldweg liegen gelassen.

Wussten Sie schon, dass Professor Dr. Gerd Glaeske keine Kombinationspräparate mag? Ach, das wussten Sie schon. Er hat es trotzdem noch einmal unterstrichen: Spalt, Neuralgin, Thomapyrin, Vivimed; alles Teufelszeug für Glaeske. Diesmal im Focus geäußert. Also, werte Pharmazeuten: Fakten, Fakten, Fakten, und immer an den Kunden denken.

Wussten Sie schon, dass Professor Dr. Gerd Glaeske keine bunten Pillen mag? Also nicht farbige Arzneimittel, sondern modern aufgemachte Kontrazeptiva. Aida, Belara, Chariva, Jennifer, oder LaLydia: Die Pillen von heute haben klingende Namen und bunte Packungen. Glaeske sieht nur auf der Beauty-Seite den Vorteil und ist dagegen, Seit an Seit mit der Techniker Krankenkasse. Laut TK-Chef Dr. Jens Baas haben sich die Hersteller gezielt auf die Lifestyle-Schiene begeben.

Weniger gezielt und vielmehr unabsichtlich hat sich der Codein-Hustenstiller auf die BtM-Schiene begeben. Kleine Softwarepanne bei Asys, schnell behoben. „Es ist ein Fehler passiert, und er hat uns dummerweise an einer empfindlichen Stelle erwischt“, so das Fazit von Asys-Prokurist Michael Teggers.

Zu großherzig behoben hat ein Apotheker namentliche Verordnungen. Die freihändig vergebenen Aut-idem-Kreuze brachten ihm eine saftige Geldstrafe wegen Dokumentenfälschung ein sowie – zwei Jahre später – den Entzug der Betriebserlaubnis. Dagegen klagte er mit Teilerfolg: Weil er sich seitdem nichts mehr zu Schulden kommen ließ, darf er die Apotheke bis zur Rente weiterführen. 2017 muss er aber schließen, offenbar weil er dann nicht mehr als zuverlässig gilt – kreative Entscheidung des Verwaltungsgerichts Augsburg.

Doch allen Miesepetern da draußen lassen wir von Holger Kohler zurufen: „Ich habe sehr großen Spaß an der Arbeit in der Offizin.“ Der junge Apotheker hat sich in seinem Heimatort selbstständig gemacht. Im Alter von 26 Jahren. Und auch noch mitten auf dem Land, im baden-württembergischen Mönsheim, auf halber Strecke zwischen Stuttgart und Karlsruhe. Der Ort hat nach offiziellen Angaben 2688 Einwohner, Kohler ist hier aufgewachsen. Seine Heckengäu-Apotheke ist übrigens im Gebäude des ehemaligen Schleckers untergebracht. Da sieht man mal, wer den längeren Atem hat. Tief Durchatmen. Schönes Wochenende!

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