„Ich bin ein Jungunternehmer“

82-jähriger rettet seine Apotheke

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Berlin -

Als Horst Schmel vor sieben Jahren die Leitung seiner Apotheken abgab, war er bereits 75 Jahre alt. Jetzt ist er zurück am HV-Tisch. Nachdem sein Pächter absprang und sich kein Nachfolger fand, entschied sich der heute 82-Jährige, die beiden Betriebe weiterzuführen. „Allein wegen meiner Mitarbeiter musste ich das tun“, sagt der Inhaber der Römer-Apotheke im bayerischen Gilching.

Schmel bezeichnet sich scherzhaft als „Jungunternehmer“ – ganz Unrecht hat er nicht. Denn in sieben Jahren hat sich in der Apotheke für ihn viel verändert: „Mit Telematik und E-Rezept habe ich viele Nächte verbracht“, sagt er. Der Arbeitsalltag habe sich enorm verändert. „Das ist ein Quantensprung. Allein das Wort Präqualifizierung, das gab es in diesem Ausmaß nicht.“ Bevor er aufgehört habe, habe man einfach in die Schublade gegriffen und gemeinsam mit dem Kunden den passenden Thrombosestrumpf gesucht. Jetzt müsse alles dokumentiert werden. Seine Mitarbeiter wollte er nicht mit dem Einlernen beschäftigen. „Wir haben einen Personalmangel, ich will sie lieber entlasten.“

Seit dem Herbst steht Schmel wieder täglich in der Apotheke, die er vor fünfzig Jahren erstmals betrieb. Drei Monate habe er nach einem Nachfolger gesucht. „Ich habe sehr gekämpft.“ Doch weder ein neuer Pächter noch ein Käufer habe sich gefunden. Seine zwei Landapotheken bot er auch im Familien- und Freundeskreis an, doch keiner wollte sie übernehmen. „Wir sind umsatztechnisch ein durchschnittlicher Betrieb.“ Vielleicht seien die Apotheken zu klein, vielleicht spiele das Mietverhältnis eine Rolle, vermutet der Apotheker.

Leicht ist ihm die Entscheidung nicht gefallen, wieder zurück in die Offizin zu gehen. Er wollte seinen 20 Mitarbeitern mitten in der Pandemie aber nicht kündigen. „Ich kann nicht einfach schließen“, sagt er. Die Angestellten seien teilweise seit Jahrzehnten mit an Bord, das Personal gehöre zur Familie. „Ich musste weitermachen.“

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