172 Euro im Monatsabo, alles inklusive. Mit diesem Angebot wirbt Juniper derzeit für sein Abnehmprogramm. Auch eine „ärztliche Online-Begleitung“ gehört angeblich dazu. Mit einem ähnlichen Angebot buhlt der Konkurrent Voy um die Gunst der Kundinnen und Kunden. Bei Google und in den sozialen Medien laufen die Kampagnen auf Hochtouren, rechtlich allesamt im Graubereich. Grund für den Hype: Demnächst sollen die Präparate auch als Tablette zur Verfügung stehen. Mitunter können sich die Kunden bereits auf Wartelisten eintragen lassen. Der Hersteller Novo Nordisk gibt sich gelassen.
„Abnehmspritze ab nur 172 Euro pro Monat“, heißt es in der Werbung von Juniper, mit der derzeit die sozialen Medien geflutet werden. Ab dem zweiten Monat kostet die Behandlung 299 Euro; als Streichpreis sind wiederum 249 Euro angegeben. Und für Neukundinnen und Neukunden gibt es 150 Euro Rabatt auf die ersten zwei Monate, was aber alles irgendwie nicht so recht zusammenpasst.
Versprochen werden ein „geprüftes Originalmedikament“, eine „25-tägige Geld-zurück-Garantie“ sowie ein „jederzeit kündbares Monatsabo“. Auch „unbegrenzter medizinischer Support“ wird in Aussicht gestellt, „diskret, ohne Vorurteile & 100 % online“.
Geworben wird auch mit „60.000 Abnehmerfolgen“, gemeint sind Aussagen oder kurze Videos von angeblichen Kundinnen und Kunden, die erfolgreich abgenommen haben. Ein Beispiel ist Stevi, die angeblich 29 Kilo verloren hat. „Danke, Juniper! Das hat mein Leben verändert. Ich gehe jetzt selbstbewusster und glücklicher durchs Leben!“ Zu sehen ist ein Vorher-Nacher-Bild. Es gibt auch einen Regler, mit dem man sein Startgewicht eingeben kann; dazu wird angezeigt, wie viel Gewicht man selbst in sechs Monaten verlieren wird.
Das Ausfüllen des Fragebogens dauert laut der niederländischen Betreibergesellschaft der Plattform nur fünf Minuten, „ein paar medizinische Fragen zu deiner Gesundheit. Vertraulich & DSGVO-konform.“ Auf Basis der Angaben aus dem „Quiz“, wie die Abfrage genannt wird, prüfe man, ob eine Behandlung infrage komme. Das vorläufige Ergebnis – Wegovy für 172 statt 249 Euro („empfohlen“) oder Mounjaro für 239 statt 316 Euro – kann man sehen, bevor man den nächsten Schritt auswählt und die kostenpflichtige ärztliche Prüfung der Angaben beauftragen muss. „Bei Freigabe erhältst du deinen persönlichen Behandlungsplan und die Abnehmspritze wird dir diskret nach Hause geliefert.“
Geliefert werden die Medikamente von der Thuisapotheek mit Sitz im niederländischen Alkmaar. Brisant: Die Apotheke gehört seit 2014 zum dänischen Reimporteur Abacus. Der Umsatz konnte im vergangenen Jahr von 6 auf 28 Millionen Euro gesteigert werden; für die kommenden Jahre sind Wachstumsraten von 30 Prozent geplant.
Ähnlich sieht das Angebot von Voy aus. „Mit der Abnehmspritze zum Wunschgewicht“, heißt es da und „bis zu 20 Prozent Gewichtsverlust in sechs Monaten mit Original-Medikamenten“. In einer klinischen Studie hätten 57.975 Voy-Teilnehmende in Zusammenarbeit mit dem Imperial College London im Durchschnitt 21,5 Prozent abgenommen. Das Geld zurück gibt es, wenn man in sechs Monaten nicht wenigstens 10 Prozent seines Körpergewichts verliert.
Auch hier bezahlt man zum Start 172 Euro, der eigentliche Monatspreis je nach individueller Dosierung kann bei maximal 349 Euro liegen. Und auch hier gibt es begeisterte Schilderungen von Kundinnen und Kunden samt Vorher-Nachher-Bildern. Voy gewährt sogar eine 180-tägige Geld-zurück-Garantie: „Wenn Du in sechs Monaten nicht mindestens 10 Prozent Deines Gewichts verlierst, erstatten wir Dir den vollen Betrag – unabhängig davon, welchen Plan Du wählst.“
Genauso wie bei Juniper kann man nach dem Ausfüllen des Fragebogens zwischen Wegovy (172 statt 247 Euro) oder alternativ Mounjaro (259 statt 349 Euro) auswählen.
Bereits jetzt kann man sich für die Wegovy-Tablette registrieren: „Jetzt vorbestellen und die Pille wird Anfang September geliefert – wir teilen Dir das genaue Versanddatum per E-Mail mit.“ Der Preis – vom Hersteller bislang noch gar nicht bekannt gemacht – liegt bei 173 statt 248 Euro; zudem gibt es ein sechs- oder zwölfmonatiges Abo.
Voy weist drei „relevante Partnerapotheken“ aus: die hauseigene Kamille Apotheek in Venlo, die aus anderen Konstrukten bekannte Prime Pharmacy in Venlo sowie Mycare mit Sitz in Wittenberg.
Aktuell wirbt Voy mit Promis wie Claudia Effenberg (Rabattcode: „claudia75“) und Pietro Lombardi.
Merkwürdig sind die Preise, denn bei Wegovy kosten nur die Dosierungen à 0,25 und 1 mg je 172 Euro. Bei 0,5 mg werden 250 Euro fällig. Und auch bei Mounjaro liegen die Preise je nach Dosierung bei 207 Euro (2,5 mg), 277 Euro (5 mg) oder 388 Euro (7,5 mg).
Immerhin scheint die Lieferung gemäß den Angaben des Herstellers zu erfolgen. Juniper schreibt: „Wir liefern mit Hermes in gekühlten Paketen, um die Kühlkette deines Medikaments zu gewährleisten.“ Voy wirbt mit DHL Express.
Der Hersteller Novo Nordisk stört sich an den Plattformen nicht: Man begrüße digitale Gesundheitsangebote als wichtige neue Ergänzung zu traditionellen Versorgungswegen. „Sie bieten vielen Patientinnen und Patienten mit Adipositas ein niedrigschwelliges, ortsunabhängiges und flexibles Unterstützungsangebot für ihren individuellen Behandlungsweg.“ Und weiter: „Telemedizin kann für viele Menschen mit Adipositas eine echte Alternative darstellen und sie langfristig auf ihrem Behandlungsweg begleiten. Wir setzen uns daher für eine verantwortungsvolle und medizinisch fundierte Behandlung möglichst vieler Menschen mit Adipositas ein und werden die Entwicklungen im Bereich der Telemedizin weiterhin mit großem Interesse verfolgen.“
Hinter Voy steht die Berliner Firma Formel Skin Derma, die wiederum zur britischen Gruppe Menwell gehört. Das Unternehmen ist im Besitz verschiedener Finanzinvestoren und erzielte zuletzt Erlöse von 104 Millionen Britischen Pfund.
Juniper gehört zu Eucalyptus; der Konzern wies zuletzt einen Umsatz von 450 Millionen US-Dollar aus und wurde gerade für 1,2 Milliarden Dollar vom US-Wettbewerber Hims & Hers übernommen. 240 Millionen Dollar wurden sofort gezahlt, 710 Millionen Dollar fließen später, außerdem gibt es bis zu 200 Millionen Dollar bei Erreichen bestimmter Umsatz- und Ertragsziele für die Geschäftsjahre 2026, 2027 und 2028. Die Finanzierung erfolgt über neue Wandelschuldverschreibungen. CEO Tim Doyle übernimmt die Leitung des kompletten internationalen Geschäfts. Das Markenportfolio von Eucalyptus soll im Laufe der Zeit in Hims & Hers integriert werden. Zu Hims & Hers gehört mittlerweile auch der Konkurrent Zava.