Ab September ist die Abnehmpille Wegovy (Semaglutid, Novo Nordisk) verfügbar. Die Tablette wird einmal täglich eingenommen. Dabei gibt es einiges zu beachten. Die FAQ erklären, warum die Abnehmpille auf oder im Nachttisch aufbewahrt werden sollte.
Täglich schlucken statt wöchentlich spritzen: Die Wegovy-Pille kommt in Packungen zu 30 Tabletten und reicht entsprechend vier Wochen. Generell gilt: Das Arzneimittel sollte lichtgeschützt, trocken und in der Verpackung aufbewahrt werden. Allerdings wird empfohlen, die Wegovy-Tablette auf oder im Nachttisch aufzubewahren. So ist sie morgens gleich griffbereit für die Einnahme.
Die Semaglutid-haltige Tablette sollte vorzugsweise direkt nach dem Aufwachen unzerkaut mit einem Schluck Wasser und auf nüchternen Magen eingenommen werden. Im Anschluss sollte eine Wartezeit von 30 Minuten zu anderen Arzneimitteln eingehalten werden. Außerdem sind Essen und Trinken tabu. Der Grund: Die Zeit wird benötigt, damit der Wirkstoff vom Körper aufgenommen werden kann. Die Wartezeit kann für die Morgenroutine aus Zähneputzen, Duschen und Gymnastik genutzt werden.
Die Wegovy-Tablette enthält mit Natrium N-(8-[2-hydroxybenzoyl]amino) caprylat (SNAC) einen Resorptionsverstärker. Dabei handelt es sich um ein Fettsäurederivat, das die Resorption über das Magenepithel fördert. Denn SNAC sorgt für einen lokalen Anstieg des pH-Werts, dadurch erhöht sich die Löslichkeit von Semaglutid. Gleichzeitig wird der Wirkstoff vor einem proteolytischem Abbau geschützt. „Durch diese besondere Formulierung ist es gelungen, den Wirkstoff Semaglutid als Pille zur Verfügung zu stellen.“ Der Resorptionsverstärker wird nach Metabolisierung hauptsächlich mit dem Urin ausgeschieden. Zudem besitzt Semaglutid eine 94-prozentige Homologie zum menschlichen Sättigungshormon GLP-1.
Die Wegovy-Tablette wird in vier Stärken verfügbar sein: 1,5 mg, 4 mg, 9 mg und 25 mg. Die Behandlung startet mit einer niedrigen Dosis von 1,5 mg, die im Abstand von vier Wochen stufenweise erhöht wird, bis die Erhaltungsdosis von 25 mg erreicht ist.
Ziel der schrittweisen Dosiserhöhung ist es, mögliche Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt zu minimieren. Der Körper hat so die Möglichkeit, sich langsam an das Medikament zu gewöhnen und der/die behandelnde Ärzt:in kann nach eigenem Therapieermessen das Dosierungsschema anpassen.
Vor allem zu Behandlungsbeginn und in den ersten Tagen der Dosisanpassung sind unerwünschte Wirkungen möglich. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören unter anderem Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Verstopfung, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und/oder Müdigkeit.
Laut Novo Nordisk können mit einigen Tipps die unerwünschten Wirkungen auf den Magen-Darm-Trakt verringert werden. Dabei sollte auf folgende Dinge geachtet werden:
Der GLP-1-Rezeptoragonist ist zugelassen für Erwachsene mit Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m2) oder Übergewicht (BMI 27 kg/m² bis < 30 kg/m²) mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung wie beispielsweise Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Ernährung und verstärkter körperlicher Aktivität.
Semaglutid ist ein GLP-1-Analogon und wirkt selektiv als GLP-1-Rezeptoragonist – bindet der Wirkstoff an den Rezeptor, wird dieser aktiviert. Dadurch wird einerseits der Blutzuckerspiegel glucoseabhängig durch Stimulation der Insulinsekretion und Senkung der Glucagonsekretion gesenkt. Andererseits kommt es zu einer Appetitreduktion und damit einer geringeren Energieaufnahme, was sich wiederum positiv auf Körpergewicht und Körperfettmasse auswirkt.
Wie und warum genau Semaglutid den Appetit hemmt, sprich welche Wirkmechanismen zugrunde liegen, haben Forschende untersucht. Dabei spielen bestimmte Nervenzellen im Gehirn – sogenannte GCG-Neuronen, die GLP-1 produzieren – eine entscheidende Rolle. Sie sind in derselben Hirnregion angesiedelt wie bestimmte Nervenfasern des Nervus vagus, die wiederum Signale von Dehnungsrezeptoren der Magenwand übermitteln. Konkret werden die GCG-Zellen bei einer Dehnung des Magen-Darm-Traktes – ob durch Nahrung, Flüssigkeit oder Luft –, angeregt, GLP-1 auszuschütten. Dadurch werden wiederum andere Regionen des Gehirns stimuliert und ein Sättigungsgefühl übermittelt.
Und dies hat einen entscheidenden Einfluss auf die Nahrungsaufnahme, die folglich gestoppt wird, wie Forschende der University of California anhand von Mäusen herausgefunden haben. Die Tiere wurden mit einem Gen ausgestattet, das bei einer Aktivierung der Zellen ein Lichtsignal abgab. Dabei zeigte sich, dass nicht nur die natürliche Stimulierung der GCG-Neuronen für ein Sättigungsgefühl sorgte, sondern auch eine künstliche, sprich ohne dass der Magen wirklich gefüllt ist. Semaglutid, das den Effekt von GLP-1 nachahmt, verstärkt das Sättigungsgefühl noch beziehungsweise lässt dieses länger anhalten.
Patient:innen konnten mit dem oralen Semaglutid eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von rund 17 Prozent erreichen. „Die Zulassung ist mehr als ein regulatorischer Meilenstein – sie eröffnet Millionen von Patientinnen und Patienten mit starkem Übergewicht und Adipositas in Deutschland den Zugang zu einer neuen oralen Behandlungsoption ihrer chronischen Erkrankung“, so Jesper Wenzel Larsen, Geschäftsführer von Novo Nordisk Deutschland.
Noch geheim. Erst zum 1. September erfolgt der Eintrag in den Artikelstamm. „Ab diesem Zeitpunkt können Wegovy-Tabletten verordnet werden, und die Preise sind transparent einsehbar. Bereits heute können wir mitteilen, dass die Kosten, mit denen des WegovyPens vergleichbar sein werden“, teilt eine Sprecherin mit.