Versandapotheken

DocMorris-Eigenmarken bei Rewe

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Berlin -

Apotheker müssen sich oft ärgern, wenn eigentlich apothekenexklusive Produkte in der Drogerie oder im Supermarkt auftauchen. Die Versandapotheke DocMorris legt es ab sofort genau darauf an: Bei der Einzelhandelskette Rewe werden neuerdings Eigenmarken von DocMorris angeboten.

DocMorris kooperiert schon seit 2012 mit Rewe. Bislang liegen allerdings nur Flyer der Versandapotheke in den Märkten aus, genauso wie bei der Drogeriekette Rossmann. Ein Pick-up-Konzept gab es nie. Jetzt wird die Zusammenarbeit im Regal ausgebaut: Bis zu 30 Produkte der Eigenmarke von DocMorris sollen in 3000 Rewe-Märkten erhältlich sein. Die Artikel sollen en bloc präsentiert werden.

Seit einer Woche sind die ersten Gesundheitsprodukte der Versandapotheke im Supermarkt erhältlich. Die Eigenmarke soll als günstige Alternative zu vergleichbaren Markenprodukten positioniert werden. Das Angebot soll im Laufe der Zeit sukzessive erweitert werden und reicht von Vitaminpräparaten über „Sodbrennen-Blocker” bis zur meersalzhaltigen Nasenspraylösung.

Rewe will mit der Einführung einer Exklusivmarkenlinie im Bereich der Selbstmedikation laut Geschäftsführer Martin Orterer die Attraktivität der Märkte erhöhen. Qualität und Sicherheit hätten dabei oberste Priorität. „Wir arbeiten mit Herstellern zusammen, die höchste Produktstandards gewährleisten“, so Orterer, der bei der Supermarktkette den Vertrieb verantwortet.

DocMorris-Chef Olaf Heinrich verspricht sich von der Kooperation einen Mehrwert für die Kunden. „Wir erzielen eine deutliche Reichweitensteigerung und erschließen einen größeren Absatzmarkt“, so Heinrich. Mit der Eigenmarkenlinie baue der Versender seine Stellung am Apothekenmarkt und seine Bekanntheit aus.

DocMorris hat unter eigenem Label Schmerztabletten mit Ibuprofen oder Paracetamol im Sortiment, aber auch Bisacodyl und NAC. Außerdem gibt es ein Diätpulver, einen Schwangerschaftstest, ein Blutdruckmessgerät samt Ersatzteilen, Wattestäbchen und Wattepads, ein Fieberthermometer, Biotin-Tabletten, Salbeibonbons und eine Sonnencreme.

„Mit Kooperationspartnern aus unterschiedlichen Branchen erreichen wir im Sinne eines integrierten Multi-Channel-Ansatzes Neukunden”, wird Heinrich im aktuellen Geschäftsbericht von Zur Rose zitiert. Mit Rewe und Rossmann, jeweils Nummer 2 in ihrem Bereich, verfüge man über starke Partner. „Die Kooperationen sind ein Gewinn für beide Seiten und werden im Jahr 2015 weiter ausgebaut.“

Die Drogeriekette dm hatte unlängst die Zusammenarbeit mit der DocMorris-Schwester Zur Rose auf ein Minimum gestutzt. In den rund 1600 Filialen gibt es keine Bestellterminals des Versenders mehr. Lediglich der Abholservice bleibt erhalten.

Die Kooperation mit Rewe war vor allem den DocMorris-Apothekern ein Dorn im Auge, als die Versandapotheke noch zum Pharmhandelskonzern Celesio gehörte. Weil sich immer wieder Vor-Ort-Apotheker über die Werbung in ihrem lokalen Umfeld beschwert hatten, stand die Kooperation zwischenzeitlich schon vor dem Aus.

Doch dann wurde die Versandapotheke für 25 Millionen Euro an „Zur Rose“ verkauft und die Zusammenarbeit mit der Supermarktkette fortgesetzt. Die DocMorris-Apotheken vor Ort werden mit Auslaufen ihrer Verträge ohnehin vom Markt verschwinden.

Rewe hatte selbst einmal rechtliche Probleme wegen DocMorris. Weil die Versandapotheke trotz Rx-Boni-Verbot in ihren Flyern für Rabatte auf verschreibungspflichtige Arzneimittel geworben hatte, waren Apotheker gegen einzelne Marktbetreiber vorgegangen. Die Rewe-Zentrale hatte schließlich reagiert und die Flyer mit der Boni-Werbung vernichtet.

DocMorris hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 4 Prozent auf 429 Millionen Euro gesteigert. Damit dürfte die niederländische Versandapotheke Marktanteile verloren haben, denn laut IMS Health legte der Versandhandel insgesamt 2014 abermals um 11 Prozent zu. Noch schlechter sah es bei Zur Rose in Halle aus: Der „Logistikdienstleister“ der gleichnamigen Versandapotheke verlor Erlöse von rund 28 Millionen Euro und setzte damit nur noch rund 53 Millionen Euro um.

Rewe hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben einen Umsatz von 16,9 Milliarden Euro erwurtschaftet. Die rund 3000 Filialen werden durch selbstständige Partnerkaufleute betrieben. Zur Gruppe zählen auch die Bio-Supermärkte Temma, Convenience-Märkte wie Rewe To Go, das Gastrokonzept „Oh Angie!“ und der Rewe-Onlineauftritt mit Abhol- und Lieferservice.

Die 1927 gegründete Gruppe erzielte 2014 einen Gesamtumsatz von mehr als 51 Milliarden Euro. Mit 15.000 Märkten ist das Unternehmen in zwölf europäischen Ländern präsent. In Deutschland erwirtschafteten die rund 228.000 Mitarbeiter im vergangenen Jahr einen Umsatz von 37 Milliarden Euro.

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