Hohe Finanzierungskosten

Sanierung drückt Noventi erneut in Verlustzone

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Berlin -

Der Abschluss des Sanierungsprogramms „Agenda 2025“ hat Noventi noch einmal tief in die roten Zahlen gedrückt, die Überschuldung ist entsprechend weiter gewachsen. Und auch operativ gab es einige Herausforderungen; vor allem eine Kennzahl sticht ins Auge. Das Management sieht sich auf dem richtigen Kurs.

Mit einem Rekordverlust von 133 Millionen Euro hatte Noventi das Krisenjahr 2022 abgeschlossen. Finanzvorstand Frank Steimel versicherte damals, dass alle Altlasten in den Jahresabschluss gepackt worden seien und dass man einen Schlussstrich ziehen könne.

2023 gab es noch einmal einen Fehlbetrag in Höhe von 11 Millionen Euro, 2024 konnte Noventi erstmals wieder einen Gewinn von 6,6 Millionen Euro ausweisen.

Im vergangenen Jahr drückte der Abschluss des Sanierungsprogramms die Gruppe aber wieder tief in die Verlustzone. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 18,5 Millionen Euro.

Steimel vergleicht den Effekt mit der Schlussrate bei einem Kredit. „Wir wussten, dass sie am Ende der Sanierung auf uns zukommt, aber damit haben wir dieses Kapitel auch final abgeschlossen.“

„Keine Risiken mehr“

Vor allem Kosten im Zusammenhang mit der Beendigung des Sanierungsverfahrens sowie nochmalige Abschreibungen belasteten. So wurden nach Ncara und Noventi Factory auch Medinoxx und Bonsai verkauft, was laut Steimel noch einmal zu Sondereffekten führe. Die Beteiligung an Doctorbox habe man deutlich reduzieren können, der Anteil bei Gesund.de sei angesichts von weiteren Kapitalerhöhungen verwässert worden, sodass die laufenden Verlustzuweisungen deutlich weniger ins Kontor geschlagen hätten.

„Wir haben unser Beteiligungsportfolio insgesamt neu geordnet und die Risiken signifikant reduziert“, versichert Steimel.

Er beziffert die Sondereffekte auf rund 30 Millionen Euro, ohne die Noventi mit 12 Millionen Euro im Plus gewesen wäre. „Unsere operative Leistungsfähigkeit ist top!“

Überschuldung wächst weiter

Der neuerliche Verlust schlägt sich auch in der Bilanz nieder: Nicht nur ist der Bilanzverlust weiter auf 100 Millionen Euro gewachsen, auch hat sich der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag – sprich die Überschuldung – von 32 auf knapp 48 Millionen Euro deutlich erhöht.

Etwas besser sieht es diesbezüglich auf Ebene der Holdinggesellschaft aus, was aber vor allem daran liegt, dass die eigenen Aktien hier als Werte hinterlegt sind und so das Eigenkapital stärken. Laut Steimel wurde der Ansatz durch zwei Gutachten und den Betriebsprüfer bestätigt.

Mark Böhm und Frank Steimel
Mark Böhm und Frank Steimel (rechts) manövrieren Noventi durch herausfordernde Zeiten.Foto: APOTHEKE ADHOC

Der Vorstandsvize versichert, dass nunmehr alles eingepreist ist. „Man muss das vergangene Jahr so nehmen, wie es ist.“ Ziel sei es, bis 2028 das negative Eigenkapital abzuschmelzen und damit wieder Dividendenfähigkeit herzustellen. „Das erste Halbjahr zeigt, dass es gelingt. Das Zwischenergebnis ist zufriedenstellend, das macht uns Mut.“

Man sei „mit vollem Vertrauen aller Finanzierungspartner“ durchfinanziert. Ausnahmslos alle Banken seien beim neuen Konsortialkredit an Bord geblieben, es gebe sogar Anfragen weiterer Interessenten zum Beitritt. Die Finanzierung sei damit langfristig gesichert: Zum Ablauf der vereinbarten Laufzeit im Juni 2028 habe man zwei Optionen, die Vereinbarung einseitig zu verlängern. „Das ist ein starkes Zeichen und zeigt das Vertrauen der Banken in Noventi.“

Weniger Abrechnungsvolumen, weniger Umsatz

Allerdings gab es auch operativ einige Herausforderungen. Das Abrechnungsvolumen lag mit 29 Milliarden Euro etwa eine Milliarde Euro unter Vorjahr, der Umsatz sank in der Folge um 3 Prozent auf 256 Millionen Euro.

Laut Steimel konnte im Abrechnungsgeschäft in einem stark preisgetriebenen Umfeld das Ergebnis gehalten, aber kein Wachstum generiert werden. Vielmehr gab es hier einen Rückgang um 10 auf 142 Millionen Euro. Ziel sei es jetzt, hier wieder zu wachsen, und zwar weiterhin ertragsorientiert.

Im Bereich der Software habe die Konsolidierung der Warenwirtschaftssysteme ihre Spuren hinterlassen, nicht alle Kunden seien gewechselt. Gut gelaufen sei die Vermietung von Hardware, hier habe man auch von der Windows-Umstellung profitiert. In beiden Bereichen zusammen konnte ein Anstieg um 4 auf 109 Millionen Euro erzielt werden.

Kostenblock Factoring

Der Materialaufwand lag bei 40 Millionen Euro und damit auf Vorjahresniveau.

Die Personalkosten stiegen laut Steimel inflationsbedingt und aufgrund von Abfindungen leicht um 3 auf rund 111 Millionen Euro, der Headcount sei aber weiter gesunken. Insgesamt beschäftigt Noventi derzeit rund 1700 Mitarbeitende.

Stark gestiegen sind – aufgrund der Sondereffekte – die sonstigen betrieblichen Aufwendungen, die mit rund 94 Millionen Euro knapp 20 Millionen Euro über Vorjahr lagen.

An Abschreibungen wurden 11,5 Millionen Euro ausgewiesen und damit 1,8 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Knapp 3,3 Millionen Euro mussten auf Finanzanlagen abgeschrieben werden.

Die Verbindlichkeiten lagen bei knapp 1,1 Milliarden Euro und damit knapp 90 Millionen Euro über Vorjahr. Allerdings waren mit 359 Millionen Euro zum Stichtag auch deutlich mehr flüssige Mittel vorhanden (Vorjahr: 284 Millionen Euro).

Der Löwenanteil entfällt auf den Bereich Factoring, mit dem Noventi den Apotheken eine Vorfinanzierung anbietet. Ohne den Umschlag aus diesem Bereich lägen die Schulden zu Unternehmenszwecken nach Tilgung eines Darlehens über 43 Millionen Euro bei rund 130 Millionen Euro, so Steimel.

Herausforderung: Zinsaufwand

Eine Kennzahl des vergangenen Jahres sticht ins Auge: Der Zinsaufwand lag bei 27 Millionen Euro. Das ist zwar weniger als im Vorjahr (36 Millionen Euro), aber deutlich mehr als 2021. Damals musste Noventi bei einem ähnlichen Umfang an Verbindlichkeiten nur 6,1 Millionen Euro für die Finanzierung ausgeben. Heißt: Aktuell sind die Finanzierungskosten mehr als doppelt so hoch wie das Ergebnis ohne Sondereffekte – es verdienen also vor allem die Banken.

Steimel verweist auf das gestiegene Zinsniveau. Teilweise habe man die Kosten an die Kunden weitergeben können, die dank der Zwischenfinanzierung an Liquidität gewinnen könnten. Auf absehbare Zeit werde man aber weiter mit hohen Finanzierungskosten und damit schmalen Margen auskommen müssen. „Die Finanzierung wird nie wieder so günstig sein wie damals.“

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