Laientests: dm setzt auf Drogisten

, Uhr

Berlin - Welche Tests verkauft werden dürfen, ist jetzt klar: Das BfArM hat die ersten drei Sonderzulassungen erteilt. In den Apotheken können die Tests noch nicht abgegeben werden, da sie schlicht und einfach noch nicht über den Großhandel bezogen werden können. Das soll sich in den kommenden zwei Wochen ändern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht die In-vitro-Diagnostika vor allem in Discountern – preiswert und leicht zu erstehen. Doch noch halten sich Rewe & Co. bedeckt. Bei den Drogerien zeigt sich ein anderes Bild: dm setzt auf die Fachkompetenz der Drogisten.

Schenkt man den Herstellern und Vertreibern Glauben, so war das Bestellverhalten der vergangenen Wochen vor allem ein Pokerspiel. Zunächst wusste niemand, ob die Freigabe für den Laien überhaupt kommt, dann war nicht klar, welche Anbieter zuerst auf den Markt kommen. Freuen können sich jetzt vor allem die Vertriebsfirmen, die einen der drei zugelassenen Tests bereits für den professionellen Gebrauch an Lager hatten. Denn wirklich neu ist keiner von ihnen. Der Clinitest von Siemens beispielsweise wurde vor der BfArM-Zulassung schon im großen Stil an medizinische Einrichtungen abgegeben. Mit angepasster Gebrauchsanweisung kann das In-vitro-Diagnostikum somit nun an den Endverbraucher abgegeben werden.

Rewe, Penny, Baumarkt – das alles ist nun möglich, wenn es um den Verkauf von Laienschnelltests geht, denn eine Apothekenpflicht für die In-vitro-Diagnsotika wurde nicht beschlossen. Der Eintritt in den Mass-Market kann also kommen. Das bestätigt auch die Rewe Group, wenn auch sehr bedeckt: „Nach den uns vorliegenden Medieninformationen und der Homepage des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sind seit kurzem drei Selbsttests zugelassen. Weitere Anbieter sollen folgen. Wir (Rewe, Penny und Toom Baumarkt) beobachten hinsichtlich der Zulassungen und der faktischen Verfügbarkeit von Selbsttests die Entwicklung und prüfen parallel ein entsprechendes Angebot in unseren Märkten.“

Die Drogeriekette Rossmann hält sich ebenfalls sehr bedeckt: „Wir beobachten die aktuellen Entwicklungen genau und prüfen die Möglichkeiten, ein entsprechendes Angebot im Rahmen der gesetzlichen Bedingungen umsetzen zu können. Wir bitten um Nachsicht, dass wir in dieser Angelegenheit zum aktuellen Zeitpunkt keine näheren Aussagen treffen können.“ Die Kette bietet online, genauso wie der Konkurrent dm, seit mehreren Monaten Antikörpertests an. Das Interesse für In-vitro-Diagnostika sei generell vorhanden. Ob und wann Rossmann auch ins Geschäft mit den Antigen-Schnelltests einsteigt, ist noch offen. Auch unbeantwortet bleibt die Frage des Vertriebsweges. Die Abgabe in den Filialen wäre ja generell erlaubt. Die Hürde niedriger als im Onlinehandel.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema
Medizinprodukte statt Arzneimittel
Doppelherz/SOS: Gaviscon-Kopien im Drogeriemarkt »
Mehr aus Ressort
Personalisierte Krebsforschung
Roche bringt Genomprofiling-Kit »
Weiteres
Sofortprogramm: Weniger Geld für Impfstoff
AOK will Apothekenlager kontrollieren»
Warnungen vor „Flickenteppich“
Debatte über Ende der Corona-Notlage»