Klosterfrau-CEO: „Werden auch im Pharmabereich Insolvenzen sehen“ | APOTHEKE ADHOC
„Herr Lauterbach sieht das sehr, sehr rosig“

Klosterfrau-CEO: „Werden auch im Pharmabereich Insolvenzen sehen“

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Dr. Stefan Koch, CEO von Klosterfrau, fürchten Insolvenzen unter Arzneimittelherstellern.
Berlin -

Dr. Stefan Koch, CEO des Herstellers Klosterfrau, sieht große Probleme auf die Pharmaindustrie zukommen. Wegen der rasant steigenden Energiekosten würden sich auch Preisanhebungen nicht vermeiden lassen – was schwierig sei, da auch die Verbraucherinnen und Verbraucher weniger Geld in der Tasche hätten. „Das wird eine sehr schwierige Geschichte. Wir müssen sehen, wie wir damit umgehen werden. Ich hoffe sehr, dass es sich mittelfristig wieder normalisiert.“

Doch Koch befürchtet, dass nicht alle Unternehmen diese Krise unbeschadet überstehen werden: „Die Preisanstiege im Energiesektor werden dazu führen, dass wir eine riesige Insolvenzwelle sehen werden.“ Auch im Arzneimittelbereich würden Unternehmen in Schieflage geraten: „Hundertprozentig. Die Kassenverträge sind richtig auf Kante genäht, und wenn die Energiekosten hochschießen und Sie produzieren in Deutschland, was Arbeitsplätze, Qualität und kurze Wege sichert, können Sie nicht mehr mithalten. Ich finde es zu kurz gedacht, wenn wir alles dem Preisspektrum unterordnen und es weiter so machen wie bisher.“

Lauterbach sieht es zu rosig

Umso problematischer findet er die im Spargesetz geplante Preisbremse. „Herr Lauterbach sieht das aus meiner Sicht sehr, sehr rosig“, so Koch mit Blick auf die Argumentation des Bundesgesundheitsministers, dass es bislang ja noch keine Firmenpleiten gegeben habe. Er finde es bedauerlich, dass ausgerechnet in der Gesundheitsindustrie, auf die die Menschen angewiesen seien und auf die man stolz sein könne, das Problem der steigenden Kosten überhaupt nicht berücksichtigt werde: „Alles ist extrem teurer geworden, und ausgerechnet Arzneimittel, lebensrettende Produkte werden reglementiert. Ich mache mir da richtig große Sorgen.“

Die OTC-Industrie könne zwar die Preise frei kalkulieren und daher ein Stückweit leichter reagieren als etwa die Generikabranche. Doch hier sieht Koch ein Dilemma: „Wenn jemand in finanzielle Schwierigkeiten kommt, wird er sehr schnell auch bei Produkten sparen müssen, die ihm eigentlich gut tun.“ Das könne ein Urlaub sein, aber möglicherweise auch ein Gesundheitsprodukt. „Medikamente sind hoffentlich das letzte, woran die Menschen sparen. Denn wir brauchen sie ja, um gesund zu werden und Krankheiten zu überstehen.“ Bereits jetzt sehe man aber, dass Menschen anfangen etwa bei Vitaminen zu sparen. „Das sieht man. Und ich fürchte, wenn es so weiter geht, wird man das in ganz anderen Bereichen auch noch sehen.“

Jede Woche eine neue Idee

Was er erwarte, sei eine verlässlichere Politik. „Ich rufe nicht danach, dass die Politik uns retten soll. Aber wir brauchen verlässlichere Bedingungen.“ Aktuell gebe es jede Woche eine neue Idee, die dann drei Monate später umgesetzt werde. „Ich würde sehr dafür plädieren, dass wir eine klare Linie fahren, vielleicht auch mal gegen Widerstände. Es wird schwierig bleiben, solange dieser grauenhafte Krieg andauert. Ich fände es gut, wenn wir jetzt einmal eine klare Kante zeigen und Regeln festsetzen, die wir nicht alle paar Wochen ändern.“

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