„Kein Ausverkauf im Pharma-Mittelstand“

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Berlin - Manfred C. Ferber begleitet seit fast 25 Jahren Firmenübernahmen im Pharma- und Gesundheitsbereich. Im Interview erklärt der Chef der Münchener Unternehmensberatung Ferber & Co., warum es trotz der jüngsten Megadeals keinen Ausverkauf des deutschen Mittelstands geben wird und warum er eher den Privatgroßhandel unter Druck sieht.

ADHOC: Sie begleiten seit mehr als 15 Jahren Übernahmen in der Pharmabranche. Was hat sich verändert?
FERBER: Früher hat sich vor allem die US-Pharmaindustrie in Deutschland eingekauft. Doch seit einigen Jahren stehen die Strategen in Konkurrenz zu Private Equity. Die Übernahme der Pharmasparte von Degussa im Jahr 2001 durch Advent war ein Meilenstein – eine der ersten ihrer Art in ganz Europa. Bis dahin war Pharma für Finanzinvestoren ein Buch mit sieben Siegeln. Niemand wusste beispielsweise, wie die Pipeline einer Firma zu bewerten ist. Das ist heute anders. Viatris war der Startschuss im deutschsprachigen Raum.

ADHOC: Welche Strategie verfolgt Private Equity im Pharmabereich?
FERBER: Finanzinvestoren haben in der Regel nicht nur eine ziemlich konkrete Vorstellung für den Einstieg bei einem Unternehmen, sondern auch schon für den Exit. Meist geht es darum, einen Hersteller für die Übernahme durch einen Strategen vorzubereiten, der dann bereit ist, einen entsprechend höheren Preis zu zahlen.

ADHOC: Was passiert in dieser Phase?
FERBER: Das kann ganz unterschiedlich sein. Mitunter sind bei Mittelständlern einfach nur die Strukturen oder Prozesse zu optimieren, oft ist das Rechnungswesen ein Schwachpunkt. Bei einer Konzernabspaltung dagegen kann es sein, dass die erforderlichen Strukturen erst geschaffen werden müssen. Wieder in anderen Fällen müssen Lücken im Portfolio geschlossen werden oder es muss der Kern herausgearbeitet werden. Einige Unternehmen sind auf bestimmte Indikationen fokussiert und brauchen eine europäische Plattform. Meist geht es darum, Fantasie zu wecken und dafür zu sorgen, dass ein Unternehmen mehr ist als eine Ansammlung von Produkten und Zulassungen. Oft muss man sich als Investor die simple Frage stellen: Was würde ein strategischer Interessent suchen?



Manfred C. Ferber stieg nach dem Studium der Ökonomie bei der Investmentbank Robert Fleming (heute: JP Morgan) in London ein, wo er bereits Übernahmen im Gesundheitsbereich betreute. Von 1997 bis 2000 arbeitete er in selber Funktion für Lehman Brothers, dann stieg er als Managing Partner bei der 1988 von seinem Vater gegründeten Unternehmensberatung in München ein. Hier betreute er direkt die Übernahme der Pharmasparte von Degussa durch Advent.

Weitere Übernahmen der jüngeren Vergangenheit unter seiner Begleitung waren Remedix/Axicorp, Wick/Katjes, Yokebe/Perrigo, Reininger/Mediq, Temmler/Lupin, Bio-Garten/Aenova, Lactostop/Dermapharm, DocMorris/Zur Rose, Axicorp/Dermapharm, Hübner/Dermapharm, Europa Apotheek Venlo/Medco, DocMorris/Celesio, Lichtwer/Klosterfrau.

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