Anti-Korruptionsgesetz

Migasa: Apotheker aus der Schusslinie

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Berlin -

Auch wenn die Apotheken weitgehend ausgeklammert werden sollen: Das Anti-Korruptionsgesetz wirft in der Branche Fragen auf. Die Kooperation Migasa sorgt vor: Die Geschäftsführung soll künftig nicht mehr mit Apothekern besetzt sein, sondern nur noch von Thomas Knoll übernommen werden. Josef Leugermann und Heinrich Trame haben ihr Amt bereits niedergelegt.

„Wir haben die Apotheker zu ihrem eigenen Schutz aus der Geschäftsführung genommen“, sagt Knoll. Die Entscheidung ist eine Vorsichtsmaßnahme wegen des geplanten Anti-Korruptionsgesetzes. Die Stellen sollen zunächst nicht neu besetzt werden.

Leugermann war seit 2007 Geschäftsführer. Der Inhaber der 1975 eröffneten Falken-Apotheke wird weiterhin Gesellschafter der Kooperation bleiben. Trame ist bereits zuvor ausgeschieden, weil er seine Eschendorf-Apotheke Anfang 2014 an Frederik Schöning abgegeben hat und seitdem selbst keine eigene Apotheke mehr führt.

Auch bei der Information der Gesellschafter gab es Einschnitte: Sie würden nur noch im Rahmen der formalen Mindestpflichten über das operative Geschäft in Kenntnis gesetzt, so Knoll. Das heißt, sie bekommen erst zum Abschluss des Geschäftsjahres Auskünfte über den Geschäftsverlauf. „Die Anpassungen sind reine Formsache beziehungsweise dienen der Präzisierung des gelebten Miteinander.“

Knoll ist seit April 2008 Geschäftsführer. Er folgte auf Peter Eiberger, der im Anschluss zu Elac Elysée (Guten-Tag-Apotheken) wechselte und heute die Bären-Apotheken rund um die Filialen seiner Frau Heidi betreut. Zuvor war Knoll sieben Jahre bei Ratiopharm als Marketingleiter zunächst für OTC-Präparate und ab 2003 für die gesamte Produktpalette zuständig. Davor hatte er knapp zwölf Jahre für Thomae/Boehringer im Produktmanagement gearbeitet. Migasa ist ein Projekt von vielen: Der Betriebswirt ist zudem als Unternehmensberater tätig und führt in Warthausen in Baden-Württemberg eine Kunstgalerie. Im Keller des Hauses bietet er Weine an.

Aktuell gibt es bei Migasa 82 Mitglieder mit rund 160 Apotheken; vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen ist der Verbund eine wichtige Größe. Dabei kommt die Kooperation ohne große Verwaltung aus.

Die Apotheker verpflichten sich, die Produkte der Industriepartner vorrangig zu platzieren und den Abverkauf aktiv zu fördern. Dafür profitieren sie von Marketing- und Vertriebsdienstleistungen. Nach außen treten die Apotheken nicht als Verbund auf; eine Dachmarke gibt es nicht. Stattdessen gibt es seit 2011 ein eigenes Blisterzentrum im niedersächsischen Nordhorn.

Die einmalige Aufnahmegebühr liegt bei 4000 Euro, für Filialapotheken werden 2000 Euro fällig. Jährlich müssen Mitglieder 2300 Euro an Beiträgen zahlen. Voraussetzung für die Aufnahme in den Verbund ist eine marktführende Position im jeweiligen Umfeld sowie einen Netto-Jahresumsatz von mindestens 2,3 Millionen Euro. Außerdem ist das Aufstellen von je einem Bildschirm in der Offizin und einem Schaufenster mit „Migasa-TV“ etwa für Produktwerbung Pflicht.

Migasa wurde 1998 gegründet. Leugermann und Trame gehören zu den Apothekern der ersten Stunde. Die Pharmazeuten hatten gemeinsam mit vier Kommilitonen nach dem Studium über neue Konzepte für die Offizin nachgedacht. Zunächst ließen sie etwa Kirschkernkissen herstellen und boten sie in der Apotheke an. Später folgten gemeinsame Verhandlungen mit dem Großhandel. Aktuell sind Gehe und Phoenix die Hauptlieferanten.

Aktuell gehören zu den Gesellschaftern neben Leugermann außerdem Gerhard Egbring (Antonius-Apotheke, Gronau), Dr. Werner Gajewski (Apotheke am Bauhaus, Steinfurt), Christa Hövelbernd (Süd-Apotheke, Münster), Stefan Leugermann (Apotheke am Rott, Ladbergen), Georg Kuchler (Malteser Apotheke, Duisburg), Patrick Marx (Schloss Apotheke, Mülheim an der Ruhr), Frederik Schöning (Eschendorf Apotheke, Rheine), Christian Schmidt (Medicum Apotheke, Detmold) und Erhard Kaiser (Löwen Apotheke, Unna) zu den Gesellschaftern der Migasa Apothekenkooperation. Peter Schöning (Adler Apotheke, Rheine) ist mit dem Erreichen des 70. Lebensjahres nach den Vorschriften des Verbunds ausgeschieden.

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