Haltbarkeit von Medikamenten

AOK verliert Prozess – und feilscht um Retax

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Apotheker Dr. Franz Stadler hat sich in Medikamenten Monopoly auch mit dem Thema Verwürfe befasst.

Stadler hat seinen Prozess in erster Instanz vor dem Sozialgericht München ebenfalls gewonnen. Doch jetzt hat ihm die AOK Bayern nach seiner Aussage einen Vergleich angeboten – natürlich nur telefonisch. Demnach würde die Kasse die Hälfte der retaxierten Beträge erstatten, wenn Stadler seine Klage zurückzieht. Er kennt einen Kollegen, mit dem die Kasse ebenfalls an einem Vergleich arbeitet, dabei sollen in einer zweiten Runde sogar 70 Prozent geboten worden sein. Die AOK hat sich auf Nachfrage nicht zu den Fällen geäußert. Die Kasse bittet um Verständnis, dass man sich zu laufenden Verfahren nicht äußern könne.

Stadler fände es besser, hier endgültige Klarheit zu schaffen, vor allem im Sinne der Patientensicherheit. Und er ist überzeugt, dass das Vorgehen der AOK Bayern System hat, wie er auch in seinem Buch „Medikamenten Monopoly“ ausführt. Dem Thema Verwürfe ist ein eigenes Kapitel gewidmet. „Anders als behauptet geht es der Kasse gar nicht um eine höchstrichterliche Klärung vor dem Bundessozialgericht“, vermutet der Apotheker. Die Sachlage sei nämlich eindeutig. Schließlich seien andere Kassen bei Verwürfen nicht so rigoros und auch die Gerichte hätten der AOK Bayern ihr Vorgehen bislang nicht durchgehen lassen.

Weil die AOK Bayern die retaxierten Beträge einbehalten kann, wächst laut Stadler der finanzielle Druck auf die Apotheken Monat für Monat. Er hat nach eigenen Angaben die Aufsichtsbehörde, in diesem Fall das bayerische Gesundheitsministerium, mehrfach aufgefordert, einzuschreiten. Doch sei er stets auf die laufenden Sozialgerichtsverfahren verwiesen worden. Mit dem angestrebten Vergleich versucht sich die AOK aus Stadlers Sicht freizukaufen. Wahrscheinlich wolle die Kasse verhindern, „dass sie mit einer rechtskräftigen Verurteilung zu einer Änderung ihres offensichtlich falschen Kurses gezwungen wird“, so Stadler. Damit werde aber nicht nur das Vertrauen der Apotheker in den Rechtsstaat erschüttert, sondern – viel schlimmer – auch eine Gefährdung der Patientengesundheit durch mögliche Wirkverluste überlagerter Arzneimittel billigend in Kauf genommen. „Eine saubere, valide Klärung der Haltbarkeitsfrage, die nur über die pharmazeutischen Unternehmen und ihre Angaben in den Fachinformationen erreicht werden kann, wird nicht angestrebt“, kritisiert der Apotheker. Ein ausführliches Video-Interview mit Dr. Franz Stadler finden Sie in unserer Mediathek.

 

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