Becherzellen: Fehlfunktion als Ursache für Colitis ulcerosa & Co.?

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Berlin -

Der Darm ist ein komplexes Organ. Mittlerweile wird seiner Gesundheit immer mehr Bedeutung zugesprochen. Forscher:innen aus Schweden fanden nun heraus, dass die Funktion der schleimproduzierenden Becherzellen einen wichtigen Stellenwert besitzt und eine Fehlfunktion zu chronischen Darmentzündungen führen kann.

Normalerweise schützt sich der Darm selbst vor Krankheitserregern: Denn die gesamte Innenseite ist von einer dünnen Schleimschicht überzogen, die Eindringlinge wie schädliche Bakterien oder andere Mikroorganismen abhält. Gebildet wird dieser Schleim von den sogenannten Becherzellen. Ohne die Schutzschicht können Krankheitserreger eindringen und zu Entzündungen führen.

Eine ordnungsgemäße Funktion der Becherzellen ist daher extrem wichtig, wie auch Forscher:innen der Universität Göteborg nun mit ihren im Fachjournal „Science“ veröffentlichten Daten untermauern. Sie fanden heraus, dass defekte Becherzellen als Ursache für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa in Frage kommen können.

Die Schleimschicht des Darmes – häufig auch als „Mucosa“ bezeichnet – wird regelmäßig komplett erneuert. Dafür arbeiten die Becherzellen unentwegt auf Hochtouren. Erstmals wurden sie 1851 in er Literatur beschrieben, die aktuellen Untersuchungen zeigen, dass sie in verschiedene Subtypen unterteilt werden können. „Wir glauben, dass dies eine wichtige Erkenntnis ist, die es uns in Zukunft ermöglichen könnte, die Schutzfunktion des Darms zu beeinflussen“, meint Professorin Malin Johansson, von der Universität Göteborg. Durch bestimmte Signale sei der Darm in der Lage die Zusammensetzung der Schutzschicht zu verändern.

Gleichzeitig würden Fehlfunktionen zu einer massiven Beeinträchtigung führen. Dies scheint vor allem für Becherzellen zu gelten, die sich an der äußersten Oberfläche der Schleimhaut befinden. „Wenn die Funktion dieser spezifischen Zellen beeinträchtigt ist, sehen wir, dass ungeschützte Zelloberflächen entstehen.“ Die Folge sind Entzündungen, die im schlimmsten Fall chronisch werden können. Bestätigt wurden die Daten sowohl im Tierversuch mit Mäusen als auch an Betroffenen mit Colitis ulcerosa.

Der Körper scheint die äußeren Becherzellen bei Betroffenen früher als normal abzustoßen: Die Anzahl der Becherzellen nimmt somit im Vergleich zu gesunden Menschen ab – die Schutzschicht wird löchrig und durchlässig für Krankheitserreger. Das sei sowohl im akuten Schub wie auch in den symptomfreien Phasen der Erkrankung zu beobachten. „Dies könnte eine mögliche Ursache oder Mitursache für entzündliche Darmerkrankungen und für ein erhöhtes Darmkrebsrisiko sein“, so das Team.

 

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