USA

Preis-Odyssee für einen EpiPen APOTHEKE ADHOC, 18.12.2018 07:51 Uhr

Berlin - Das amerikanische Gesundheitssystem ist vor allem für eines bekannt: seine absurden Kosten. Wie genau die Preisbildung funktioniert, verstehen außerhalb der USA nur wenige. Handelsblatt-Korrespondentin Katharina Kort hat nun in einem unfreiwilligen Selbstversuch genauer gelernt, was es in den USA bedeutet, krank zu werden. Eine der wenigen kleinen selbstständigen Apotheken war es dann, die ihr am besten helfen konnte.

„Eine komplizierte Branche, die ich als Journalistin betreue, deren Auswüchse einem aber erst im Selbstversuch wirklich klar werden“, schreibt Kort im Handelsblatt. Die Wirtschaftsjournalistin mit jahrelanger Korrespondentenerfahrung tut ihren Dienst seit fast zwei Jahren in New York und erfreute sich bis vor kurzem ganz offensichtlich bester Gesundheit. Das änderte sich allerdings dank eines „exzellenten Shrimp-Ceviche“. Nachdem sie juckenden Ausschlag am ganzen Körper bekam und damit zum Arzt ging, eröffnete der ihr, dass sie gegen die Schalentiere allergisch ist.

Die Folge: Kort solle ab sofort einen Adrenalin-Autoinjektor bei sich tragen, um im Falle eines anaphylaktischen Schocks gewappnet zu sein. Er verschreibt ihr einen EpiPen (Epinephrin, Mylan). „Zahlen Sie nicht zu viel!“, habe ihr die Ärztin noch geraten. „Sonst rufen Sien an und wir verschreiben Ihnen einen günstigere Marke.“ Damit ging ihre Preis- Odyssee los. Zuerst versucht sie es in einer Filiale von Duane Reade, einer Walgreens-Tochter. Dort „falle ich fast um“, erinnert sie sich. „750 Dollar will die Ketten-Apotheke von mir haben.“

Sie lehnt dankend ab und ruft ihre Ärztin an, die eine Versand-Apotheke kontaktiert, um ein „deutlich günstigeres“ Generikum zu erhalten. Aber Kort ist nicht in den USA versichert, das heißt: Sie muss das Geld vorstrecken und sich dann von ihrer deutschen Versicherung zurückholen. Was es auch heißt: Die Abgabe erfolgt nicht auf Grundlage eines Rabattvertrages. Die Versandapotheke will deshalb den vollen Herstellerabgabepreis von ihr: 4000 Dollar. Ein anderes Generikum bei CVS sei in der ganzen Stadt – New York, New York, nicht Lame Deer, Montana! – nicht verfügbar.

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