E-Rezept: Wann Apotheken nicht bedienen dürfen

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Berlin - Das E-Rezept soll nach einer Eingewöhnungsphase vieles in der Offizin leichter machen. Doch bereits jetzt zeigt sich, dass es künftig auch Situationen geben dürfte, in denen trotz E-Rezept nicht voll digital und ohne Medienbrüche gearbeitet werden kann: dann nämlich, wenn Produkte zwar per E-Rezept verordnet, aber laut Gesetz nicht bedient werden dürfen – und die können durchaus zusammen mit bedienbaren Verordnungen auf demselben Ausdruck stehen. Die Apotheke muss dem Patienten dann erklären, dass er für den Posten ein Muster-16-Rezept anfordern muss. Das könnte noch bis 2026 so bleiben.

Das Digitale Versorgung und Pflege-Modernisierungsgesetz (DVPMG) hat weitere Ungewissheiten beim E-Rezept aus dem Weg geräumt – unter anderem die Frage, was mit bestimmten Produkten wird, die zwar nicht rezeptpflichtig sind, aber verschrieben werden können. „Schmerzpunkte waren bisher Zwitterprodukte wie Teststreifen, enterale Ernährung oder Verbandsstoffe, die nach bisherigem Stand zwar auf dem E-Rezept verordnet, aber von Apotheken laut der Begründung im Gesetz nicht bedient werden konnten“, erklärt Apotheker Ralf König, der mit dem Health Innovation Hub das Bundesgesundheitsministerium (BMG) in Digitalisierungsfragen berät.

Durch die Änderungsanträge zum DVPMG wurde jedoch klargestellt, dass diese Produktgruppen nicht beliefert werden dürfen, bis alle, die sie beliefern können, an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen sind. „Die Sanitätshäuser sollen erst bis 2026 angeschlossen werden, also werden diese Produktgruppen bis dahin weiterhin auf Muster-16-Rezepten verordnet werden“, so König. „Das schränkt zwar die Verordnungsbreite des E-Rezepts ein, hätte aber andernfalls zu Marktverzerrungen geführt. Diese Klarstellung ist eine gute Nachricht, denn alles, was im Mystischen bleibt, hat eine hohe Retaxgefahr.“

Das heiße aber auch: Künftig können Apotheken Rezeptkombinationen erhalten, die so nicht funktionieren. „Die Apotheke muss dann darauf verweisen, dass dafür ein eigenes Muster-16-Rezept angefordert werden muss.“ Immerhin hat das E-Rezept – egal ob digital oder der Ausdruck der Zugangscodes – einen Vorteil: Anders als beim Muster-16 gibt es keine Mischverordnungen im engeren Sinne mehr. Jeder der Zugangscodes – ob in der App oder als Ausdruck – führt prinzipiell zu einem eigenen Rezept. Können also zwei Posten abgegeben werden und einer nicht, muss nur für den letzten ein neues Rezept angefordert werden.

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