Corona-Krise

Spahn weist Verantwortung für Versäumnisse zurück dpa, 03.07.2020 13:13 Uhr

Berlin - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat eine persönliche Verantwortung für Versäumnisse zu Beginn der Corona-Krise zurückgewiesen. Insbesondere bei der Frage, ob noch früher noch mehr Masken hätten beschafft werden müsste, verteidigte der Unionspolitiker den damals eingeschlagenen Kurs.

„Hätten wir schon früher beginnen sollen, Schutzmasken zu kaufen? Ja, natürlich”, sagte Spahn dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel”. Gleichzeitig fügte er hinzu, er habe sich nicht bewusst gegen den Kauf von mehr Schutzmasken entschieden. „Es ist im Januar oder vor einem Jahr auch niemand zu mir gekommen und hat gesagt, wir sollten jetzt Schutzmasken kaufen”, so Spahn. Unter den Masken, die sein Ministerium ins Land geholt habe, seien auch qualitativ minderwertige gewesen. Der Ausfall habe im Schnitt bei über 20 Prozent gelegen. „Ich kann nicht verantworten, viel Steuergeld für diese Produkte zu überweisen, ohne sie überprüft zu haben”, sagte Spahn.

Auf den Vorwurf, er habe zu Beginn der Krise zu „Gelassenheit” aufgerufen entgegnete Spahn: „Dem Wort 'Gelassenheit' hatte ich ein Adjektiv vorangestellt: 'aufmerksame Gelassenheit'.” Zwar würde er heute eher das Wort „Besonnenheit” benutzen, so Spahn. Dennoch habe er vom ersten Tag an gesagt, dass er das Virus sehr ernst nehme.

Spahn forderte zudem eine allgemein bessere Vorsorge des Staates bei Gesundheitsrisiken. Das Robert Koch-Institut und die Gesundheitsämter etwa müssten künftig vor Ort so gut zusammenarbeiten, „dass im Ernstfall sofort alles reibungslos klappt.” In Europa und auf nationaler Ebene fehle es derzeit an Strukturen für Gesundheitsrisiken. Das sei anders bei Finanzrisiken, für die es seit der Eurokrise Mechanismen gebe, oder bei Sicherheitsrisiken, für die es die Nato und andere Kooperationen gebe.

Denkbar sei außerdem, dass es in Zukunft häufiger Pandemien geben werde. Zudem warnte der Minister vor anderen Gefahren als Viren. „Experten warnen zunehmend auch vor Bakterien. Wenn die Resistenzen gegen Medikamente zunehmen, sind diese Szenarien mindestens so erschreckend wie die zu neuen Viren”, sagte Spahn. Auch der Bioterrorismus sei eine reelle Gefahr.

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