Quelle war fragwürdig

Schnelles Comeback für Resochin Alexandra Negt, 04.06.2020 13:56 Uhr

Berlin - Ende Mai beendete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die klinischen Tests mit Hydroxychloroquin und Chloroquin, da es unter der Anwendung dieser Wirkstoffe zu zahlreichen Nebenwirkungen ohne signifikante Wirkung gegen Covid-19 kam. Viele der ausgesetzten Tests könnten nun wieder aufgenommen werden. Experten hätten sämtliche Daten erneut überprüft und seien zu dem Schluss gekommen, dass nichts gegen eine Fortsetzung der Tests spreche, erklärte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Chef der WHO. Das Unternehmen, auf dessen Datenbankanalyse sich die WHO bei der Entscheidung bezog, erwies sich als wenig seriös. Die ausgewerteten Daten seien nicht valide und könnten nur eingeschränkt genutzt werden.

Die WHO lenkt bei den abgebrochenen Studien mit Resochin & Co. ein: Die ausgesetzten Tests mit Chloroquin und Hydroxychloroquin könnten wieder aufgenommen werden. Beide Wirkstoffe waren Bestandteil einer von der WHO koordinierten Forschungsreihe mit mehr als 3500 Patienten in 35 Ländern. Innerhalb der global angelegten Studie soll untersucht werden, ob verschiedene schon vorhandene Medikamente einen Effekt gegen Covid-19 haben.

Vorübergehend ausgesetzt

Zuletzt hatte die WHO den Hydroxychloroquin- sowie Chloroquin-Arm der global angelegten „Solidarity“ Studie vorübergehend ausgesetzt. Verschiedene wissenschaftliche Artikel zeigten, dass Menschen, die das Medikament einnahmen, ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse hatten als diejenigen, die das Malariamittel nicht einnahmen. Unter der Einnahme dieser Medikamente verstarben mehr Patienten als in den Kontrollgruppen (Standard-Covid-Therapie). Ein Team von Forschern aus den USA und der Schweiz führten hierfür eine internationale Registeranalyse an insgesamt 96.032 bestätigten Covid-Patienten in 671 Krankenhäusern auf sechs Kontinenten durch. Das Ergebnis: Das Risiko einer ventrikulären Arrhythmie während der Therapie war bei beiden Malariamitteln erhöht. In der Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin stieg das Risiko weiter. Die WHO schlussfolgerte zunächst: „Diese Ergebnisse legen nahe, dass diese Therapieschemata nicht außerhalb klinischer Studien angewendet werden sollten und eine dringende Bestätigung durch randomisierte klinische Studien erforderlich ist.“

Quelle wahrscheinlich unseriös

Eine erneute Überprüfung durch den Ausschuss für die Überwachung der Datensicherheit der WHO kam aber zu dem Ergebnis, dass die Studien wieder aufgenommen werden könnten, da die zugrunde liegenden Daten nicht valide gewesen seien. Die verwendeten Studieninhalte seien von einem relativ kleinen, global nicht namenhaften Unternehmen zu Verfügung gestellt worden. Bei genauerer Überprüfung des Unternehmens Surgisphere fiel auf, dass unverhältnismäßig große Mengen Daten in kurzer Zeit verarbeitet wurden. Der Internetauftritt sowie einige andere Faktoren würden nahelegen, dass die verwendeten Daten zum einen nicht fachgerecht aufgearbeitet wurden und zum anderen eventuell nicht offiziell erworben wurden. In New York seien sich die behandelnden Ärzte beispielsweise nicht bewusst gewesen, dass die Daten der Patienten an eine – ihnen unbekannte Firma – weitergegeben wurden.

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