Erste Immunfluchtmutante

Omikron – Impfschutz und Testgenauigkeit

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Berlin -

Am Wochenende gab es zahlreiche neue Meldungen zur neuen Corona-Variante Omikron. Gesichert ist, dass die Mutation bereits in Deutschland mittels PCR-Test nachgewiesen wurde. Offen bleibt die Frage, ob die aktuell zugelassenen Impfstoffe auch gegen Omikron schützen. Wissenschaftler:innen sind sich hier aktuell uneinig. Anders bei den Schnelltests: Die In-vitro-Diagnostika scheinen auch bei Omikron ausreichend sensitiv zu sein.

Immunfluchtmutante – das Wort hält im Zuge der neu aufgetretenen Corona-Variante Omikron vermehrt Einzug in die Berichterstattung. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine so starke Mutation eines Erregers, sodass er neue Fähigkeiten erhält. Im Falle von Omikron könnte es sein, dass die bisherigen Impfungen gegen die neue Variante einen niedrigeren Impfschutz aufweisen.

Omikron bei Genesenen und Geimpften

In Südafrika treten Omikron-Fälle auf, auch bei Genesenen und Geimpften. In Südafrika sind rund 25 Prozent aller Bürger:innen geimpft. In den Nachbarländern sind die Impfquoten zum Teil niedriger. Je stärker sich ein Virus verbreitet und je länger er sich in einem Wirt vermehren kann, desto höher das Risiko von Mutationen. Im Fall von Omikron stehen die bisher analysierten Mutationen im Zusammenhang mit einer stärkeren Übertragbarkeit und einer „Immunescape“. Darunter versteht man ein Umgehen der Immunantwort und damit die Selektion von Escapemutanten. Die Corona-Impfung soll dieses Entstehen von Virusmutanten mit neuen Fähigkeiten verhindern.

Vermeidung durch Impfung: Eine vollständige Immunisierung mit zeitgerecht verabreichter zweiter Impfstoffdosis verringert die Wahrscheinlichkeit eines Immunescape wesentlich.

Impfschutz wird diskutiert

Noch liegen keine abschließenden Erkenntnisse darüber vor, ob der Impfschutz bei einer Infektion mit der Omikron-Variante genauso hoch ist wie bei den bisherigen Varianten. Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde die Variante als „besorgniserregend“ eingestuft. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC spricht von ernsthaften Sorgen, dass sie die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe erheblich verringern und das Risiko von Reinfektionen erhöhen könnte.

Siemens, Roche und Flowflex

Hoffnungsvoller kann man wohl nach derzeitigem Stand auf die Schnelltests schauen. Erste Untersuchungen ergaben, dass die In-vitro-Diagnostika die Omikron-Variante genauso zuverlässig detektieren können wie andere Varianten. In ersten Testungen der Frankfurter Virologin Professor Dr. Sandra Ciesek konnten der Clinitest von Siemens, der Roche-Antigenschnelltest und der Flowflex Schnelltest von Acon die Variante nachweisen. Durchgeführt wurden bei jedem Test ein Nasen- und auch ein Rachenabstrich.

Die Virologin schränkt die Aussagekraft jedoch ein: Die guten Ergebnisse der drei Schnelltests könnten nicht einfach auf die In-vitro-Diagnostika anderer Hersteller übertragen werden. Weitere Untersuchungen müssten unternommen werden.

Auch Nal von Minden ist guter Dinge: „Wir sind mehr als optimistisch, dass die Omikron-Variante auch durch unseren Test nachweisbar sein wird“, informiert das Unternehmen. Im Labor wird dann getestet, ob das Nukleosidkapsid-Protein der Omikron-Variante von den Schnelltests genauso gut erkannt wird wie das Nukleokapsid-Protein der ursprünglichen Virusvariante.

Neue Variante – neuer Verlauf

Die Symptome der neuen Omikron-Variante seien eher ungewöhnlich, erläuterte die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, gegenüber der BBC. Die Verläufe seien jedoch im Allgemeinen eher mild. „Die Patienten klagen meist über einen schmerzenden Körper und Müdigkeit, extreme Müdigkeit, und wir sehen es bei der jüngeren Generation, nicht bei den älteren Menschen“, so Coetzee. Ob es bei Risikogruppen, wie vorerkrankten älteren Personen, dennoch zu schweren Verläufen kommen könnte, müsste näher untersucht werden.

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