IQWiG-Studie

Falsch-negativ: Wie zuverlässig sind Schnelltests bei Kindern?

, Uhr
Berlin -

Die Corona-Inzidenz ist so hoch wie nie, dennoch bleiben Schulen und Kindergärten geöffnet. Mithilfe von regelmäßigen Antigen-Schnelltests sollen Infektionen rechtzeitig erkannt werden, um eine Ausbreitung in den Einrichtungen zu verhindern. Eine Studie des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zeigt jedoch, dass es vor allem bei Kindern ohne Symptome häufig zu falsch-negativen Testergebnissen kommt.

Die Auswertung des IQWiG umfasst insgesamt 17 Studien mit mehr als 6000 Kindern und acht verschiedenen Antigenschnelltests. Eine Analyse der ausgewerteten Testergebnisse zeigte, dass fast 36 Prozent der Tests falsch-negativ waren. Die Sensitivität lag nur bei rund 64 Prozent, die Spezifität mit 99,1 Prozent war deutlich höher.

Keine Symptome, kein zweiter Strich?

Wurde zwischen Kindern mit und ohne Symptome unterschieden, zeigten sich noch deutlichere Einbußen der Sensitivität: Bei asymptomatischen Infektionen lag die gepoolte diagnostische Sensitivität nur noch bei 56 Prozent, die Spezifität sank auf 98,6 Prozent. Litten die Kinder unter Symptomen, konnte das IQWiG eine gepoolte diagnostische Sensitivität von rund 72 Prozent ermitteln. Diese ist zwar deutlich höher als bei den asymptomatischen Patient:innen, allerdings kam es noch immer zu 28 Prozent falsch-negativen Ergebnissen.

Aufgrund ihrer Ergebnisse äußern die Studienautor:innen Zweifel an der Wirksamkeit der breiten Testungen an Schulen und Kitas. „Unter Berücksichtigung der testspezifischen gepoolten Ergebnisse erfüllte kein Test, der in diese Überprüfung einbezogen wurde, die von der Weltgesundheitsorganisation, der US-amerikanischen Food and Drug Administration oder der britischen Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency empfohlenen Mindestleistungsanforderungen.“

PCR bleibt Goldstandard

Durch die verminderte Sensitivität gegenüber PCR-Testungen könnten Fälle übersehen werden, sodass es dennoch zu Ausbrüchen kommen könne. Es sei fraglich, ob die geringere Sensitivität durch häufigere Tests ausgeglichen werden könne. Auch der Berufsverband Deutscher Laborärzte hatte kürzlich vor einer falschen Sicherheit durch negative Testergebnisse gewarnt. Denn die Schnelltests können auch in der präsymptomatischen Infektionsphase noch negativ ausfallen, obwohl bereits eine Virenlast vorliegt.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Mehr zum Thema
Chronisch-entzündliche Erkrankungen
Corona-Impfung: MTX-Pause steigert Boosterwirkung »
Basis für neue antivirale Medikamente?
Rocaglamide: Verbindungen aus Mahagoni gegen Hepatitis E »
Mehr aus Ressort

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»