Impfstofflogistik: Das unnötige Chaos

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Osmann ist formal beides: eine Apotheke, da er die Logistik für das Bundesland betreibt, aber auch ein „Land“. Von all dem formalbürokratischen Kategorisierungsallerlei ließ er sich jedoch nicht aufhalten, er machte einfach: „Wir sind bereits Anfang November für das Land nach Quakenbrück gefahren und haben da Impfstoff geholt – was ja genau genommen zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz zulässig war“, erklärt Osmann.

Bund wird wichtigster Vertriebsweg bleiben

In der Quakenbrücker Artland-Kaserne befindet sich das Versorgungs- und Instandsetzungszentrum für Sanitätsmaterial der Bundeswehr (VersInstZ SanMat), das der Marinestützpunktapotheke in Wilhelmshaven unterstellt ist. In ihm lagert der Bund zentral die Impfstoffe, die dann in die Länder verteilt werden. „Wir hätten zu der Zeit formal noch über den Großhandel bestellen müssen, das hatte aber noch zwei Wochen Vorlauf und nur einen Bestelltag, also hätte es schlimmstenfalls zwei Wochen und sechs Tage gedauert. Das dauerte uns zu lang.“

Auch wegen dieser Initiative, vermutet Osmann, stehe Sachsen-Anhalt derzeit etwas besser da als manch anderes Bundesland. „Im Endeffekt haben die Länder meist noch die zwei Wochen bis Inkrafttreten der neuen Verordnung abgewartet, damit sie angesichts des hohen Bedarfs wieder direkt beim Bund bestellen können. Die wurden dann überrannt und es herrschte vielerorts Verwirrung, wer wann wo bestellen kann“, erklärt er. „Da sieht man auch, welchen Vorteil es hat, als Land eine Apotheke im Boot zu haben. Bei den Logistikern, die anderswo beauftragt sind, reißt sich keiner ein Bein raus und schickt auf eigene Kosten einen Fahrer nach Quakenbrück.“

Materiell ausgestattet war Osmann – ergo das Land – zu Monatsbeginn also. Alles im Lot ist damit aber längst nicht. September, Oktober, November: In drei Monaten waren drei verschiedene Bezugssysteme vorgeschrieben. Zwar können die Länder jetzt wieder bestellen, wie sie es bis September getan haben, und zusätzlich über Apotheken beziehen. „Aber die Länder werden gerade überrannt und wir sehen einen sehr hohen Durchsatz an Impfstoff. Deshalb schätze ich, dass sie schon allein der Mengen wegen alle direkt vom Bund beziehen werden. Dieser Vertriebsweg bleibt also der wichtigste.“ Das könnte eine gute Nachricht sein, schließlich hatten sich die Strukturen etabliert und woran es im Sommer und Herbst mangelte, waren nicht Impfmöglichkeiten, sondern Impfwillige. Doch ganz so einfach ist es eben nicht.

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