Gurgeltests an Schulen: Funktionieren und sind kinderleicht

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Berlin -

Die Macher:innen einer Studie zu Corona-Gurgeltests an Schulen ziehen nach sechs Monaten ein positives Fazit. Ziel sei gewesen, zu zeigen, dass das Pool-System der Gurgel-PCR-Tests nicht nur funktioniere, sondern auch flächendeckend eingesetzt werden könne.

Die Gurgeltests schlügen bereits in einem frühen Infektionsstadium an, seien „kinderleicht“ in der Anwendung und sparten Plastikmüll, erklärte Professor Michael Kabesch, Leiter der „WICOVIR-Studie“ – die Abkürzung steht für „Wo ist das Coronavirus“. Das Projekt wurde von der Klinik St. Hedwig der Barmherzigen Brüder in Regensburg und der Uniklinik Erlangen gemeinsam durchgeführt und vom Gesundheitsministerium gefördert.

Neben rund 400.000 Tests an Schulen gab es etwa 100.000 Tests in Kindergärten, Betrieben und Behörden. Beteiligt waren Einrichtungen in Erlangen, Nürnberg, Tirschenreuth, Schwandorf, Regensburg und Cham. Das Projekt läuft mit Ende des Schuljahres aus. Im nächsten Schuljahr soll es den Angaben nach Regeltestungen an Grundschulen auf Basis der Pool-PCR-Tests geben.

Zweimal wöchentlich ließen sich die Teilnehmer:innen für die Studie testen. Dafür mussten sie morgens Leitungswasser gurgeln und die Flüssigkeit in zwei Röhrchen füllen. In der Schule – oder anderen Einrichtungen – kippten sie den Inhalt eines der beiden Röhrchen in einen „Pool“. Die gesammelte Flüssigkeit der Gruppe wurde getestet. Wenn sich dabei Hinweise auf eine Corona-Infektion ergaben, müssen die Kinder und Jugendlichen ihr zweites Röhrchen für Einzeltests abgeben, so dass der oder die infektiösen Schüler:innen herausgefiltert werden konnten. Das Ergebnis gab es am selben Tag. „Mit der zweimaligen Pool-PCR-Testung pro Woche können wir praktisch alle Fälle so früh erkennen, dass es fast nie zu weiteren Ansteckungen in den Schulen oder Betrieben kommt“, sagte Kabesch. Im Laufe der Studie habe es in den Schulen insgesamt knapp 30 positive Tests gegeben. Fast alle Ansteckungen bei den Schüler:innen stammten demnach aus dem familiären Umfeld.

Sammeltests in der Kritik

Die Pooling-Tests werden seit längerem kontrovers diskutiert: Um Kosten und Testkapazitäten einzusparen, fordern einige Expert:innen seit längerem die Sammeltestungen. Doch das Verfahren steht auch in der Kritik: Angezweifelt wird vor allem die analytische Genauigkeit. Immer wieder im Gespräch sind Verdünnungseffekte, die zu einem falschen Ergebnis führen können – auch wenn gerade bei der PCR geringste Mengen an Erbgut ausreichen. Bei der Durchführung ist also unbedingt darauf zu achten, dass sich das Gesamtvolumen im Pool-Gefäß nicht vermehrt. Fernab von analytischen Bedenken äußern Kritiker:innen den zusätzlichen Zeitaufwand bei positivem Pooling-Befund – denn dann muss einzeln nachgetestet werden.

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