Immunantwort abwarten

Booster nach vier Wochen ist unlogisch

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Berlin -

Wann kann geboostert werden? Diese Frage beschäftigt viele Bürger:innen aktuell. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt aktuell allen Personen über 18 Jahren eine Booster-Impfung sechs Monate nach der zweiten Injektion. In Berlin wird nach fünf Monaten geimpft. In NRW kann nun bereits nach vier Wochen eine Auffrischimpfung in Anspruch genommen werden. Das mache aus immunologischer Sicht jedoch wenig Sinn, gibt Professor Dr. Tino Schwarz, Chefarzt für Labormedizin und Impfzentrum am Klinikum Würzburg-Mitte, im Rahmen des Biontech-Seminars „mRNA gegen Covid-19“ zu bedenken.

Ein dreistufiges Impfschema ist nicht neu. „Auch bei Hepatitis, Tetanus, Pneumokokken sowie einigen anderen Impfungen wird dreimal geimpft“, erläutert Schwarz. Auch hier wird die dritte Dosis erst sechs Monaten verabreicht. Dies sei immunologisch auch sinnvoll: „Wird die dritte Dosis zu früh verabreicht, bleibt der wirkliche Booster-Schub für das Immunsystem aus.“

Der Körper braucht Zeit für die Bildung von Antikörpern

In den sogenannten Keimzentren (abgegrenzte Bereiche des sekundären lymphatischen Gewebes) kommt es zur intensiven Proliferation, Selektion und Reifung von B-Lymphozyten. Diese Keimzentren bilden sich erst im Verlauf einer Immunantwort aus Lymphfollikeln. Nach dem Erstkontakt mit einem Antigen wandern die dann antigenspezifischen B- und T-Zellen aus dem Blut in die Follikel ein. In diesem Bereich findet dann eine verstärkte Antigen-Präsentation statt. Bestimmte Wechselwirkungen zwischen B- und T-Zellen sorgen dafür, dass es zu einer massiven Vermehrung der antigenspezifischen B-Lymphozyten kommt. Dieser Prozess braucht Zeit.

Wird nun ein drittes Mal geimpft, so reagieren die zahlreichen Gedächtniszellen schnell auf das erneut eingedrungene Antigen und schütten zahlreiche Antikörper aus. Wird zu früh geboostert fällt die Immunreaktion schwächer aus, da die Keimzentren noch nicht so viele B-lymphozyten hervorbringen konnten. Schwarz rät von einer Booster-Impfung vier Wochen nach der zweiten Impfung aufgrund einer zum Teil ausbleibenden Sekundärantwort ab.

Zwei Seiten der Immunantwort: B-Lymphozyten und Antikörper bilden nur einen Teil der Immunantwort. Die andere Hälfte setzt sich aus T-Helferzellen und T-Killerzellen zusammen. Währenddessen die Killerzellen infizierte Zellen direkt zerstören können, können die Helferzellen durch die Freisetzung von Botenstoffen Fresszellen aktivieren und B-lymphozyten zur weiteren Ausschüttung von Antikörpern anregen.

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