Ophthalmologische Auswirkungen

Bindehautentzündung durch die Maske

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Berlin -

Gegenargumente für das Masketragen gibt es zahlreiche. Gegner der Mundschutzpflicht machen auch angebliche gesundheitliche Aspekte aus, die das Tragen zum Risiko werden lassen. Von „Augenherpes“, vermehrter Infektanfälligkeit und Bindehautentzündung ist häufig die Rede. Bei einigen Aussagen handelt es sich lediglich um Gerüchte – andere können ärztlich bestätigt werden. Eine Anpassung des Trageverhaltens kann oft Abhilfe schaffen.

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Aktuell gilt die Maskenpflicht überall dort, wo der Mindestabstand von 1,5m im öffentlichen Raum nicht eingehalten werden kann. In öffentlichen Verkehrsmitteln und im Einzelhandel gilt eine generelle Tragepflicht. Inwieweit sich das dauerhafte oder vermehrte Verdecken von Mund und Nase auf die Gesundheit auswirkt, wurde bislang kaum wissenschaftlich erforscht. Viele Erkenntnisse stützen sich auf Erfahrungen aus der Praxis von Medizinern.

In Bezug auf mögliche Auswirkungen auf das Auge lässt sich aktuell sagen, dass das Tragen der Maske bei einigen Personen zu Augenreizungen führen kann. „Es gibt in der Tat eine Beschreibung von vermehrten Augensymptomen beim Tragen von Masken“, kommentiert die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOP). „Irritationen durch die Maske selbst, oder durch die Ausatemluft, die am Oberrand der Maske Richtung Auge gelenkt wird, sind mögliche Erklärungen“, so die aktuelle Vermutung der DOP. „Wie häufig und wie relevant dies ist, bleibt allerdings aktuell noch offen.“

Mediziner haben in den letzten Wochen durchaus vermehrte Fälle von Augenreizungen oder Augeninfektionen verzeichnen können. Auch das Austrocknen des Auges ist ein unerwünschter Effekt, der bei längerem Masketragen auftreten kann. Bisher wurden diese Befunde kaum in der Literatur beschrieben. Die vermehrten Augenreizungen haben jedoch wichtige Auswirkungen auf die Augengesundheit und die Infektionsprävention. In Hinblick darauf, dass die Maskenpflicht noch längere Zeit fortbestehen wird, sollten die negativen Auswirkungen des Masketragens weiterführend untersucht werden.

Generell empfehlen Augenärzte die Verwendung von befeuchtenden Augentropfen. Hier gilt die Regel: Wer erst bei Trockenheit tropft, tropft zu spät. Besser ist das regelmäßige Applizieren. Am Markt sind verschiedene Präparate verfügbar. Der Kunde kann wählen zwischen Einzel- oder Mehrdosenbehältnissen. Auch bei den Inhaltsstoffen gibt es unterschiedliche Varianten. Häufig enthalten Augentropfen den natürlichen Feuchthaltefaktor Hyaluronsäure. Generell gelten konservierungsmittelfreie Zubereitungen als besser verträglich. Ein weiterer Tipp der Augenärzte: Wer zu trockenen Augen bei längerem Masketragen neigt, der sollte eventuell vorhandene Kontaktlinsen gegen eine Brille austauschen.

Zur generellen Vorsicht raten Mediziner bei Patienten, die gerade einen chirurgischen Eingriff am Auge hinter sich haben. Hier ist die Körperpartie besonders anfällig für Infektionen. Auch bei bestehender Bindehautentzündung kann die Maske die Symptomatik verstärken. Personen, die unter dem Sjögren-Syndrom leiden, leiden generell unter der Problematik eines trockenen Auges. Bei der chronisch verlaufenden Autoimmunerkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis werden Speichel- und Tränendrüsen angegriffen.

Das Schlüsselwort heißt also proaktive Augenpflege. Neben dem regelmäßigen Tropfen gehören auch ausreichend lange Pausen vom Masketragen dazu. Für alle die täglich die Augen schminken und die Wimpern tuschen lohnt sich der Versuch des Verzichts – gleiches gilt für unreine Haut, die durch das Maske tragen entsteht. Gerade der Bereich um den Mund neigt bei einigen Patienten zur perioralen Dermatitis. Hier ist ein Punkt für die Beratung elementar: Cortisoncremes – auch die frei verkäuflichen Hydrocortison-Cremes – verschlechtern eine periorale Dermatitis. Hier müssen Antibiotika wie Erythromycin zum Einsatz kommen.

 

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