Albtraum Transportschaden: 100 Vials Comirnaty unbrauchbar

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Berlin - Dr. Norbert Limberger steckt mitten in der Auslieferung der Covid-19-Impfstoffe. Heute blickt er gelöst auf die Ware: „Dieses Mal lief alles super gut“, sagt der Inhaber der Paracelsus-Apotheke in Denzlingen in Baden-Württemberg. Anders war es in der vergangenen Woche: 100 Vials kamen nicht ordnungsgemäß in seiner Apotheke an, die Fläschchen schienen durchgeschüttelt – zum Ärger der Ärzt:innen.

Comirnaty ist begehrt – umso ärgerlicher ist es, wenn der Covid-19-Impfstoff von Biontech aufgrund eines Transportschadens nicht zu den Patient:innen gelangt. Limberger beliefert insgesamt 16 Praxen mit Impfstoffen gegen Covid-19. Die Ärzt:innen sind engagiert und bestellen zahlreiche Vials, um möglichst vielen Patient:innen ein Impfangebot machen zu können. In der vergangenen Woche wurden dem Apotheker von Alliance Healthcare Deutschland (AHD) insgesamt 100 Vials von Comirnaty zugesagt. Der Biontech-Impfstoff war für 600 Patienten gedacht.

Als Limberger allerdings die Ware seines Hauptlieferanten erhielt und der Qualitätskontrolle unterzog, ahnte er nichts Gutes: Die Fläschchen waren zwar nicht zerbrochen. „Man konnte aber sehen, dass die Vials durchgeschüttelt waren. Sie waren einer größeren Kraft ausgesetzt.“ Der Schaden müsse zwischen dem Abpacken und Ausliefern geschehen sein. Der Apotheker informierte gemäß der Arbeitshilfe der Bundesapothekerkammer (BAK) zur Qualitätssicherung sofort den Großhändler. „Ich habe auch Ersatz verlangt, wohl wissend, dass das gar nicht möglich ist.“ Ein Versuch, denn er konnte sich vorstellen, wie die Ärzt:innen auf diese Nachricht reagieren würden.

Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass der Impfstoff nicht geschüttelt werden darf, da sonst der Inhalt zerstört wird. Bei Comirnaty wird die mRNA in eine Art Hülle verpackt, die aus Lipiden besteht. Diese fettartigen Moleküle sind wichtig, damit der Wirkstoff nicht abgebaut, sondern freigesetzt wird und die Impfung ihre Wirkung entfalten kann: Ein Schütteln bewirkt, dass der Impfstoff unwirksam wird. Die intakte Lipidummantelung ist wichtig, damit die mRNA in die Zelle gelangen kann. Ohne diese Hülle baut der Körper die mRNA zusätzlich zu schnell ab, sodass kein Impfschutz aufgebaut werden kann. Das Vakzin enthält darüber hinaus mehrere Hilfsstoffe, unter anderem eigens entwickelte Verbindungen, die die Ladung der mRNA neutralisieren. Durch zu starke Erschütterungen im aufgetauten Zustand können die Strukturen beschädigt werden und aggregieren – die mRNA wird zerstört. Nur im ultratiefgekühlten Zustand ist die Suspension stabil.

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