„Wir beraten keine Kunden zu Supermarkt-Schnelltests“

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Berlin - Apothekerin Christiane Patzelt ist verärgert. Wie viele Kolleg:Innen bietet sie seit Wochen Corona-Schnelltests an, hat ihr Team geschult und die nötigen Ressourcen geschaffen. Dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei den Laientests auf die Discounter setzt, sei ein „Magentritt für Apotheken“. Die Inhaberin der Land-Apotheke Leegebruch kündigte an, dass sie Kunden nicht zu Corona-Schnelltests aus dem Supermarkt beraten wird.

Die Bagatellisierung der Tests durch Spahn sei unverständlich, kritisiert Patzelt. „Wir testen seit Mitte Dezember und sehen täglich, dass die Patienten Fragen zur Anwendung und zu den Ergebnissen haben“, sagt sie. Insbesondere bei positiven Ergebnissen sei es wichtig, dass die Menschen nicht alleine gelassen werden. Es handele sich immerhin um eine meldepflichtige Krankheit und keine Schwangerschaft.

Patzelt betont, wie wichtig es sei, die Getesteten zu begleiten. „Ein positives Corona-Ergebnis hat viel mit Scham zu tun“, sagt sie. Aus dem Ergebnis erwachse auch eine rechtliche Konsequenz. „Spahn nimmt der Bevölkerung die gute, fachmännische und barrierefreie Begleitung durch die Apotheken und schickt sie in die Eigenverantwortung.“ Der Gesundheitsminister lobte die Discounter als Anlaufstelle für Laientests.

Die Entscheidung sei „demotivierend“ für Apotheken. Patzelt will ihrem Team mitteilen, dass Patienten, die mit Fragen zum Corona-Schnelltest aus Supermarkt oder Drogerie kommen, nicht beraten werden können. „Das hat auch mit Haftung zu tun“, sagt sie. Zudem gehe es ihr auch um Anstand. „Man kauft auch keine Farbe und geht damit zum Maler.“

Der Verkauf von Laientests über Lebensmitteleinzelhändler, Discounter und Drogerien ist laut Patzelt der falsche Weg. Spahn gehe es nur darum, billige Tests auf den Markt zu bringen – auf Kosten des Pandemiegeschehens. In Österreich habe man die Lage dagegen richtig erkannt und setze auf die Apotheken. „Dort hat man verstanden, wie wichtig eine Begleitung durch die Apotheken ist“, sagt sie. Aktuell führen dort rund 900 Apotheken kostenlos Covid-19-Antigentests an symptomfreien Menschen durch.

Apotheker Sven Lobeda will weiterhin zu Laientests beraten. Er hat gemeinsam mit Kollegen darüber nachgedacht, ob man dafür eine Beratungsgebühr nehmen könnte. „Rein rechtlich ist das möglich“, sagt er. Seine Kunde wird er weiterhin kostenlos aufklären. „Eine Apothekenpflicht für Laientests wäre wünschenswert gewesen.“ Die Tests im Supermarkt seien aber nicht schlechter, weil sie über diesen Vertriebsweg verkauft werden.

Der Filialleiter der Apotheke Haus Postplatz in Dresden hätte sich dagegen mehr Unterstützung seitens der Apothekenverbände gewünscht. „Warum haben die Verbände keine Verträge mit Testanbietern geschlossen und dadurch gute Preise erzielt?“ Dadurch hätte man ebenfalls eine große Menge bestellen und diese an die Mitglieder verteilen können. Die Kosten hätte man beispielsweise mit den Mitgliedsbeiträgen verrechnen können. Denn als einzelne Apotheke sei es nicht möglich, mit Discountern wie Lidl mitzuhalten.

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