Trotz Rezept: Novartis verweigert Jakavi

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Berlin -

In Apotheken ist täglich viel Aufwand nötig, um die immer wieder auftretenden Lieferengpässe zu managen und gegenüber dem Kunden zu erklären. Das kennt auch Apotheker Heinz Köppl. Doch ein aktueller Fall hat ihn wirklich verärgert – weil der Engpass vom Hersteller künstlich verursacht wurde.

In der Heide Markt Apotheke in München wollte eine Kundin ihr Rezept über Jakavi (Ruxolitinib, Novartis) einlösen. Das Besondere in diesem Fall: Der Arzt hatte sechs Packungen Jakavi zu 15 mg mit 56 Stück verordnet. Der Hintergrund war, dass die Kundin einen längeren Auslandsaufenthalt von einem halben Jahr vor sich hatte und sich entsprechend mit ihrem Arzneimittel eindecken wollte.

Diese Menge war über seine Großhändler nicht zu bekommen. Die Noweda konnte nur zwei Packungen liefern, Phoenix hatte gar nichts an Lager. Und disponieren konnte der Apotheker nicht, da es sich um kontingentierte Ware handelt und das Kontingent erschöpft war.

Also wollte er die fehlenden Packungen über die Plattform Pharmamall bestellen. Die Auftragsbestätigung erhielt er noch, zehn Minuten später aber zusätzlich einen Anruf von einer Novartis-Mitarbeiterin. Die habe ihm erklärt, mehr als drei Packungen stünden einer Apotheke pro Monat nicht zu, berichtet Köppl. Die Kundin sei ja erstmal versorgt und müsse dann halt später wiederkommen.

Köppls Bericht zufolge verfing sein Einwand mit der anstehenden Reise der Patientin nicht. Der Apotheker ist sauer: „Die Kundin hat einen Belieferungsanspruch mit dem ausgestellten Rezept.“ Er habe Novartis sogar angeboten, eine Kopie des Rezept zu schicken, um den Beweis zu erbringen, dass hier ein echter Anspruch besteht. Aber auch darauf habe sich der Hersteller nicht eingelassen und stattdessen auf den Großhandel verwiesen.

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