PTA wegen Kopftuch nicht eingestellt

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Berlin - Die erfahrene PTA Mehtap Özkay-Başaran sucht eine neue Stelle. Doch ihr Kopftuch steht einer Festanstellung bei einer Apotheke in Obertshausen im Weg. Der jetzt von allen Seiten angegriffene Pharmazeut beruft sich auf „religiös-weltanschauliche Unparteilichkeit“. Die Bewerberin will wegen Diskriminierung vor Gericht ziehen.

Eigentlich bringt Özkay-Başaran die besten Voraussetzungen mit. „Ich habe viel Berufserfahrung und vier Jahre als PTA in einer großen, öffentlichen Apotheke in Offenbach gearbeitet.“ Ihre Bewerbung bei der PAM-Apotheke im nahe gelegenen Obertshausen schien auf positive Resonanz zu stoßen. Doch das telefonische Vorgespräch mit Inhaber Hermann Josef Weigand sei wenig erfreulich verlaufen. „Er hat sich gewundert, dass ich gut deutsch sprechen kann“, erzählt Özkay-Başaran. „Als ich ihm sagte, dass ich in Deutschland geboren bin, sagte er wortwörtlich ‚Ach du lieber Eimer‘.“ Dann sei die Rede auf das Kopftuch gekommen. „Er fragte mich, ob ich streng gläubig bin und bereit wäre, es auszuziehen.“ Das werde sie nicht machen, habe sie geantwortet. „Dann würde es nicht passen, sagte er daraufhin, auch sein Team habe das verneint.“

Sie habe sich persönlich vom Apotheker herabgewürdigt gefühlt. „Er machte sich richtig lustig über mich und meine türkische Herkunft“, beklagt Özkay-Başaran. „Er bestätigte sogar, dass das eine Diskriminierung sei. Daraufhin haben wir das Gespräch beendet.“ Das Telefonat sei für sie der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. „Ich erlebe tagtäglich Ausgrenzung, weil ich ein Kopftuch trage“, berichtet sie. „Auch an meinem vorigen Arbeitsplatz haben mich Kunden beschimpft. Erst nach Jahren haben sich manche entschuldigt, dass sie mich ganz falsch eingeschätzt hätten.“ Jeder habe das Recht auf eine freie Ausübung seiner Religion, findet sie. „Wir leben im Jahr 2018!“ Özkay-Başaran beschrieb ihre Erlebnisse in Posts in mehreren Facebook-Foren auch von türkischen Communities und schaltete den Solinger Anwalt Fatih Zingal ein.

Das hatte Folgen: Apotheker Weigand sieht sich seit Veröffentlichung der Posts einem regelrechten Shitstorm ausgesetzt. „Meine Worte wurden komplett falsch interpretiert. Von meiner Seite aus war es ein empathisches Gespräch.“ Er will sich rechtlich beraten lassen und in der Zwischenzeit nicht weiter äußern. Ob er die Bewerberin gefragt habe, ob sie ihr Kopftuch während der Arbeit abnehmen könne, will er offiziell nicht bestätigen.

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