Kündigung wegen Kopftuch – PTA gewinnt vor Gericht

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Berlin -

Auch Herne hat seinen Apotheken-Kopftuch-Fall. Eine PTA der Neuen Apotheke zog kürzlich vor Gericht, weil ihre Arbeitgeberin ihr untersagte, mit Kopftuch in der Offizin zu stehen. Das wollte die PTA nicht kampflos hinnehmen. Vor Gericht kam es zu einem seltsamen Happy End, die Chefin änderte nämlich überraschend ihre Meinung. Derzeit ist allerdings unklar, zu welchen Bedingungen die PTA künftig arbeiten wird.

Die 22-Jährige kam nach dem Urlaub Anfang April wie zuvor angekündigt mit Kopftuch zur Arbeit. Apothekerin Annegret Koglin, die in Herne vier Apotheken betreibt, missfiel das. Sie schlug deshalb vor, dass ihre Mitarbeiterin künftig außerhalb des Kundenbereichs tätig sein sollte. Da sie ihr keine Vollzeitstelle bieten konnte, sollte die PTA Teilzeit arbeiten.

Das wiederum missfiel der Arbeitnehmerin. Sie lehnte die angebotene Stelle ab und wurde daraufhin zum 31. Mai 2018 gekündigt. Sie zog vor Gericht. Gegenüber APOTHEKE ADHOC wollte sich Koglin auf Anfrage nicht äußern. Vor Gericht argumentierte ihre Anwältin, dass die Kleiderordnung der Neuen Apotheke eine Mitarbeiterin mit Kopftuch im Bereich mit Kundenkontakt nicht zulasse. Weder Mützen, Kappen oder Kopftücher seien aus Arbeitgebersicht erlaubt. Das Teamfoto auf der Website der Apotheke zeigt alle Mitarbeiter ohne Kopfbedeckung.

Das Arbeitsgericht sah das anders. Die Arbeitsrichterin hielt Koglin vor, die Kündigung voreilig ausgesprochen zu haben. Im Jahr 2005 hatte das Bundesarbeitsgericht verbindlich erklärt, dass ein Arbeitgeber in einem solchen Streitfall vorab eine Änderungskündigung aussprechen muss. Eine Änderungskündigung ist eine Kündigung mit dem Angebot, einen neuen Vertrag abzuschließen, um das Arbeitsverhältnis unter geänderten Bedingungen fortzusetzen.

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