Digitale Rezeptsammelstellen

Probebetrieb: Weniger Rezepte und Kältestress

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Berlin -

Am 25. Januar gingen in Baden-Württemberg und im Saarland die ersten beiden digitalen Rezeptsammelstellen in den Probebetrieb. Nach einem Monat liegen erste Erfahrungen vor: In Neidlingen südöstlich von Stuttgart läuft die Technik reibungslos. Allerdings ist dort die Zahl der Rezepte gesunken. Und in Heusweiler-Kutzhof im Saarland hatte die neue Box mit der kalten Witterung zu kämpfen.

In beiden digitalen Rezeptsammelstellen können Patienten ihre Rezepte einscannen. Die Images werden an die angeschlossenen Apotheken übertragen, die Arzneimittel vorbereitet und ausgeliefert. Nach Angaben des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg läuft die Technik der von der Noventi-Group entwickelten Box in Neidlingen „stabil“. Technische Störungen gab es nicht. Auch mit der kalten Witterung wurde die Rezeptsammelstelle fertig. Sie ist im Vorraum der dortigen Sparkasse aufgestellt und daher nicht direkt Wind und Wetter ausgesetzt.

Nur einmal verweigerte die das Gerät seinen Dienst – als ein Patient versuchte, wie bei einem Scanner oder Kopierer gleich mehrere Rezepte auf einmal in den Scannerschlitz einzuführen. Das funktioniert nicht, das geht nur einzeln, Rezept für Rezept.

Allerdings kommen über die neue Box weniger Rezepte in der Stadt Apotheke in Weilheim an als früher: Eine exakte Statistik führt Apothekerin Tilla Frank-Neumeyer nicht: „Aber gefühlt sind es etwas weniger Rezepte.“ Das führt die Apothekerin auf den neuen Standort zurück. Der liegt nicht mehr direkt neben der Arztpraxis. „Wenn die Leute sowieso ins Auto steigen, dann fahren sie gleich durch zur Apotheke“, vermutet die Apothekerin.

Im Saaralnd hat sich an der Rezeptanzahl nichts verändert: „Wir erhalten nach wie vor zwischen zehn und 20 Rezepte pro Tag“, berichtet Manfred Saar, Kammerpräsident des Saarlandes und Inhaber der Allee Apotheke in Heusweiler. Im Ortsteil Kutzhof hängt die digitale Rezeptsammelstelle am angestammten Platz neben der Arztpraxis.

Allerdings gab es hier Anfangsprobleme wegen der kalten Witterung: Die Batterie hielt den niedrigen Temperaturen nicht Stand und machte rasch schlapp. Jetzt wird die Box über ein Stromkabel mit Energie versorgt. Demnächst soll ein verbessertes Nachfolgemodell aufgehängt werden. Denn wie sich herausstellte, nehmen die Rezept rasch die Luftfeuchtigkeit auf. Dadurch wird das Papier wellig und lässt sich nicht so gut in den Scanner einführen. „Der Rezepteinzug wird verbessert“, so Saar. Hersteller ARZ Darmstadt habe bereits neue Komponenten eingebaut.

Im Saarland läuft auch die Rezeptbedienung etwas anders als in Baden-Württemberg. Normalerweise werden die Rezepte laut Saar vormittags in die Apotheke übermittelt. „Dann kann ich die Arzneimittel gegebenenfalls sofort bestellen“, berichtet der Kammerpräsident. Mittags holt eine Fahrerin die Rezepte zunächst wie früher ab: „In der Apotheke werden sie auf Echtheit kontrolliert und dann wird ausgeliefert.“ Die Fahrerin gehört nicht zum pharmatzeutischen Personal.

„Damit sind wir jetzt zwei bis drei Stunden schneller als früher“, sagt Saar. Überflüssige Leerfahrten gibt es nicht mehr: „Ich sehe ja jetzt, ob ein Rezept vorliegt oder nicht.“ Nur in besondes dringenden Fällen werde ein Arzneimittel ohne Umweg direkt von einer PTA an den Patienten geliefert.

Beim Start des Testlaufes im Saarland lobte Gesundheitsministerin Monika Bachmann das Pilotprojekt: „Die gesellschaftliche Entwicklung macht es notwendig, dass die Arzneimittelversorgung auf dem Land einfacher, schneller und digitaler gestaltet wird. Diese Digitalisierung bietet für beide Seiten, für Apotheker und für Kunden, viele Vorteile“, erklärte die CDU-Politikerin.

„Mit der Digitalen Rezeptsammelstelle wollen auch wir unseren Beitrag zur Stärkung des ländlichen Raumes leisten. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, auch hier Präsenz zu zeigen“, erklärte Saar: „Gerade ältere Patientinnen und Patienten erhalten so bei einfachster Bedienung der Digitalen Rezeptsammelstelle noch schneller ihre dringend benötigten Arzneimittel. Und ganz wichtig, sowohl für uns Apothekerinnen und Apotheker als auch für die Patientinnen und Patienten: Unser apothekerlicher Botendienst garantiert einen persönlichen Kontakt, der oftmals genauso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger ist, als das Arzneimittel selbst!“

Einen niedrigen vierstelligen Betrag kostet der Automat in Heusweiler-Kutzhof, so die Apothekerkammer des Saarlands. Zu den Kosten des Neidlinger Automaten von der Noventi-Gruppe macht der Apothekerverband Baden-Württemberg keine Angaben. Man wolle erst einmal testen, welche Funktionen gebraucht werden und ob alles rund läuft. „Wir sind im digitalen Zeitalter, aber wir sehen ja auch, wie oft wir Ausfälle haben“, sagt Verbandspräsident Fritz Becker. Einiges teurer als die Saarland-Variante dürfte das Modell in Neidlingen schon sein, schließlich kann es mehr als Rezepte scannen.

„Die Digitale Rezeptsammelstelle ist eine Art Brücke, die die Welt der digitalen Kommunikation und die Welt der persönlichen Betreuung und Beratung der ortsnahen Apotheke miteinander verbindet“, erklärte Becker. „Uns ging es bei der Idee darum, vor allem Zeit und Wege zu sparen und dadurch die Patientenversorgung auf dem Land noch wirkungsvoller und noch schneller zu machen.“ Die Testphase in Neidlingen wird zwischen drei und sechs Monate andauern.

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