Notdienst: Wenn der Kunde „nur atmet“ | APOTHEKE ADHOC
Inhaberin mit strenger Stimme

Notdienst: Wenn der Kunde „nur atmet“

, Uhr
Berlin -

Eigentlich hat Apothekerin Dr. Stephanie Ullmann* einen normalen Notdienst hinter sich. Bis auf einen Anruf: Gegen 11 Uhr abends klingelte am Dienstag das Telefon in ihrer Apotheke. Als sie abnahm und zunächst nur ein „schweres Atmen“ hörte, vermutete sie eine Belästigung und keinen Notfall. „Ich dachte: nicht schon wieder“, sagt sie.

Sexuelle Belästigung am Telefon im Notdienst ist für viele Approbierte kein neues Thema. Bei Kammern und der Abda wurde bereits gefordert, dass man sich dem Thema annimmt und beispielsweise einen zentral organisierten Bereitschaftsdienst für Apotheken analog zum ärztlichen Patientenservice unter der Nummer 116117 einrichtet. Auch Ullmann kennt diese Anrufe und war genervt, als man sie gestern Nacht offenbar deshalb aus dem Schlaf rief.

Der Anrufer habe zunächst nur schwer geatmet und nichts gesagt, so die Apothekerin. Auf Nachfrage, wer denn am anderen Ende der Leitung sei, habe er wissen wollen, ob er in der Apotheke gelandet sei und diese offen habe. „Ich habe gesagt, dass wir nicht offen haben und nur Notfälle versorgen.“ Denn natürlich kann es sein, dass der Mann aus gesundheitlichen Gründen kurzatmig ist.

Strenge „Erzieherinnenstimme“ im Einsatz

Als er jedoch nach einer langen Pause gesagt habe, dass es ihm nach einer überstandenen Corona-Infektion generell nicht so gut gehe und er in die Apotheke kommen wolle, habe sie abgelehnt. „Das war aus meiner Sicht kein Notfall“, sagt die Inhaberin. Sie hatte das Gefühl, dass sie wieder einmal ein Anrufer belästigen wollte. „Das war sehr komisch, ich dachte, er denkt sich das alles aus.“ Sie sei am Telefon sehr streng gewesen und habe mit ihm in ihrer „Erzieherinnenstimme“ gesprochen. Im Laufe des Tages ist er heute noch nicht in der Apotheke erschienen.

Im Anschluss sei der Notdienst ohne Störung verlaufen. „Ich hatte sonst nur echte Notfälle“, sagt Ullmann. Ein Kunde etwa sei direkt aus der Klinik gekommen und habe ein Antibiotikum benötigt. Tatsächlich gebe es viele Anrufer im Notdienst, die auch „einfach nur reden“ wollten, so die Apothekerin. Doch der Apothekennotdienst ist dafür sicher nicht die geeignete Anlaufstelle.

*Name von der Redaktion geändert

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