Nachfolgersuche erfolglos

Nach Treppensturz: Apotheker muss schließen Silvia Meixner, 19.03.2019 09:22 Uhr

Berlin - Die St. Maternus-Apotheke in Ürzig schließt zum Ende des Monats für immer. Der Apotheker leidet nach einem Treppensturz an einem Schädel-Hirn-Trauma. Ein halbes Jahr haben Vertretungsapotheker das Unternehmen über Wasser gehalten – nun ist Schluss.

Die Genesung des Apothekers Martin Schulz-Fincke schreitet langsam voran, bis spätestens zum Ende des Jahres will er wieder fit sein. Trotzdem zieht er gemeinsam mit Ehefrau Heike Schulz-Fincke, die in Alf ebenfalls eine Apotheke betreibt, jetzt die Notbremse. „Mein Mann kann die Apotheke derzeit nicht alleine führen“, sagt Schulz-Fincke. „Wir haben einen angestellten Approbierten gesucht, aber niemanden gefunden.“ Es gab nur einen Interessenten: „Er kam leider nicht zum vereinbarten Vorstellungsgespräch.“

Dass kein Nachfolger gefunden wurde, liegt zum einen an der Kurzfristigkeit des Vorhabens, zum anderen aus Sicht der Apothekerin an der Einstellung gerade junger Kollegen: „Die wollen heute alle ihre Life-Work-Balance und neben der Apotheke sollen gleich der Pub, das Kino und das Theater sein.“ Das ist auf dem Land natürlich illusorisch. „Es ist sehr schön hier, Ürzig ist ein staatlich anerkannter Ferienort.“ Weitere Vorteile des Landlebens sieht sie ebenfalls: „Man bezahlt hier 500 Euro Miete für ein ganzes Haus, dafür bekommt man in der Stadt vielleicht ein möbliertes Zimmer. Es ist eine ganz andere Lebensqualität hier. Außerdem verdient man mehr an der Apotheke als in einer Stadt-Apotheke.“

Nachdem klar war, dass die Genesung nach dem Unfall fast ein Jahr in Anspruch nehmen würde, entschieden die beiden Apotheker: Gesundheit geht vor – das Schicksal der St. Maternus-Apotheke ist damit nach mehr als 100 Jahren besiegelt. Dabei handelt es sich um eine Dorf-Apotheke, die gut läuft: „Es ist keine kleine Klitsche, sie ernährt ihren Betreiber sehr gut. Es ist ein gut geführter Betrieb“, sagt die Apothekerin. Ürzig hat zwar nur rund 900 Einwohner, aber das Einzugsgebiet ist groß. Und im Ort gibt es eine Doppel-Ärztepraxis – gute Voraussetzungen also.

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