Apotheke in Barmstedt schließt

Securpharm macht Apotheke den Garaus

, Uhr
Berlin -

Mit dem Start-Datum von Securpharm stand für das Apotheker-Ehepaar Münstedt aus Barmstedt in Schleswig-Holstein fest: Wir schließen. Die Investition in eine neue EDV-Anlage wäre zu hoch gewesen. Und mit 76 Jahren wollte der Apotheker nach fast 40 Jahren nun endlich in den Ruhestand.

„Wir hätten die Apotheke zwar noch weiter machen wollen, aus Spaß an der Freud‘ und weil wir hier verwurzelt sind“, erzählt Apothekerin Helga Münstedt „aber mein Mann wollte gern aufhören.“ Den Ausschlag gab schließlich Securpharm. Denn eines stand fest: „Mit der bisherigen EDV-Anlage hätten wir nicht weiterarbeiten können, sie hätte erneuert werden müssen. Unser übriges System ist zwar alt, lief aber noch gut.“ Die Investition hätte im fünfstelligen Bereich gelegen.

Einen Nachfolger haben die beiden zwar gesucht, aber früh festgestellt, dass es schwierig werden würde. „Wir haben die üblichen Kanäle, von Großhandel bis Kammer, genutzt, aber nach einigen Gesprächen war uns klar, dass es wenig Sinn macht“, sagt Münstedt. „Vielen Kollegen ginge es ähnlich. „Ich kann verstehen, dass junge Leute nicht mehr selbstständig sein möchten“, sagt sie. Eine gute Variante sei der Posten eines Filialleiters: „Man ist selbstständig, aber der Stress ist geringer und man hat garantierten Urlaub.“

Da das Haus, in dem sich die Apotheke am Markt befand, dem Ehepaar gehört, haben sie beim Ausräumen der Apotheke keine große Eile, weil sie an keinen Termin gebunden sind. Die Immobilie befindet sich in bester Lage und soll anschließend wieder vermietet werden.

Am 31. Januar war die Apotheke am Markt zum letzten Mal geöffnet. „Die Arbeit hat uns immer Freude gemacht“, zieht die Apothekerin Bilanz. Ein wenig vermisst sie jetzt die Struktur, die das Arbeitsleben in der Offizin mit sich bringt: „Man muss einen neuen Tagesablauf entwickeln.“ Und sie vermisst den Austausch mit den Kunden und ihre Kollegen und Mitarbeiter: „Wenn man so lange zusammen arbeitet, nimmt man am Leben der anderen teil. Die Mitarbeiterin, die am längsten hier arbeitete, war 54 Jahre dabei.“ Die übrigen ebenfalls seit vielen Jahren, alle haben mittlerweile neue Arbeitsplätze gefunden, eine Mitarbeiterin hört aus Altersgründen auf. „Wir waren ein tolles Team, alle waren sehr zuverlässig.“

Derzeit wird die Apotheke geräumt, Freunde des Apotheker-Ehepaars helfen mit. Danach beginnt für die Münstedts das Rentnerleben. „Ich merke schon jetzt, dass ich mehr lese als früher“, sagt die Apothekerin, „meine Hobbys sind Sport und Fotografieren, das möchte ich künftig ausbauen.“

In Barmstedt, einer Kleinstadt rund 30 Kilometer nördlich von Hamburg, gibt es jetzt nur noch zwei Apotheken für 10.000 Einwohner. Viele Kunden der Apotheke am Markt waren treue Stammkunden und angemessen traurig. „Aber sie haben uns auch gesagt, dass sie uns den Ruhestand gönnen und dass wir sehen werden, wie schön es ist, wenn man morgens nicht mehr bei Schnee und Sturm früh aufstehen muss“, erzählt die Apothekerin. So manche Träne wurde in der Offizin geweint und getrocknet, die Kunden brachten zum Abschied Süßes, Blumen und Bücher.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
„Ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels“
Apotheken nach der Pandemie: Erst systemrelevant, jetzt vergessen
Ergebnislose Verhandlungen
WHO: Pandemieabkommen gescheitert
Mehr aus Ressort
Überwachungskamere filmt mit
Das sind die Kosmetikdiebe
Apotheker vertreibt Einbrecher
Nächtlicher Überfall nach 100 Notdiensten

APOTHEKE ADHOC Debatte