Zehn Jahre Apothekensterben | APOTHEKE ADHOC
Erstmals weniger als 19.500 Apotheken

Zehn Jahre Apothekensterben

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Berlin -

Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist 2018 das zehnte Jahr in Folge gesunken – auf weniger als 19.500. Dies ergab eine Abfrage von APOTHEKE ADHOC bei den Apothekerkammern der Länder. Laut Hochrechnung könnten netto mehr als 300 Betriebe verschwunden sein; der Trend hat sich vor allem im zweiten Halbjahr erneut beschleunigt. Damit sinkt die Apothekenzahl in Deutschland auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren. Seit dem Allzeithoch im Jahr 2008 sind knapp 2200 Apotheken verschwunden, ein Verlust von 10 Prozent.

Aktuell liegen die Jahreszahlen aus 15 der 17 Kammerbezirken vor; es fehlen Bayern und Sachsen-Anhalt, wo sich die Kammern nicht an der Erhebung beteiligen wollten. Die gemeldeten Zahlen ergeben einen Nettoverlust von 270 Apotheken, das entspricht einem Rückgang von 1,7 Prozent. Überträgt man diese Quote auf die beiden fehlenden Kammerbezirke, könnten mehr als 330 Apotheken verschwunden sein. Schreibt man dagegen die vergleichsweise positive Vorjahresentwicklung in den beiden Bundesländern fort, würde sich die Apothekenzahl insgesamt um knapp 300 verringert haben.

Die meisten Schließungen gab es in Baden-Württemberg, 58 Betriebsaufgaben standen nur vier Eröffnungen gegenüber. Damit sank die Zahl der Apotheken auf 2450, entsprechend ist auch der Rückgang prozentual hoch (minus 2,2 Prozent). Von den großen Kammerbezirken hat es nur Westfalen-Lippe noch stärker getroffen: Hier schlossen netto 49 Apotheken. Damit sank die Apothekenzahl im Kammerbezirk um gut 2,5 Prozent auf 1924.

Den Negativrekord hält mit minus 2,9 Prozent im vergangenen Jahr Rheinland-Pfalz, hier gab es 24 Schließungen und zwei Neueröffnung – und damit Ende des Jahres noch 979 Apotheken. Überproportional viele Schließungen gab es im vergangenen Jahr außerdem wieder in Berlin: Hier gaben 20 Betriebe auf, die Zahl sank damit um 2,5 Prozent auf 792.

Vergleichsweise glimpflich ging es dagegen in Hamburg und Bremen zu: Nach acht Schließungen und vier Neueröffnungen gibt es in Hamburg aktuell 400 Apotheken, in Bremen gab es nach acht Schließungen im Vorjahr keine Veränderung (eine Eröffnung, eine Schließung).

Im Kammerbezirk Nordrhein, wo es 2017 in absoluten Zahlen den größten Rückgang gegeben hatte, gab es zwar erneut 47 Schließungen, allerdings auch zwölf Neueröffnungen und damit noch 2202 Apotheken. Das Minus von 1,6 Prozent liegt damit leicht unter dem Durchschnitt und damit auf ähnlichen Niveau wie in Niedersachsen, wo es nach 42 Schließungen und zehn Neueröffnungen am Ende des Jahres noch 1903 Apotheken gab. In Hessen bedeuten 23 Schließungen und acht Neueröffnungen einen Rückgang um 1 Prozent auf 1470 Apotheken.

Eine gewisse Entspannung gab es auch in Schleswig-Holstein und im Saarland: Die Zahl der Apotheken im Norden sank um acht auf 650; 2017 hatte hier 18 Apotheken endgültig zugesperrt. Im Saarland gab es fünf Schließungen und damit aktuell 296 Apotheken.

In den neuen Bundesländern war die Situation wie in den Vorjahren stabil. In Sachsen gab es 16 Schließungen und zwölf Neueröffnungen und damit zum Jahresende 978 Apotheken. In Brandenburg lag die Quote bei 5:3 und die Zahl der Apotheken damit bei 573. In Thüringen sank die Zahl um acht auf 538, in Mecklenburg-Vorpommern um zwei auf 402.

Betrachtet man die vergangenen zehn Jahre, gibt es ein klares Ost/West-Gefälle: Während die Zahl der Apotheken in Brandenburg stabil geblieben ist, bleibt der Rückgang in den übrigen neuen Bundesländern im einstelligen Bereich: minus 1,2 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern, minus 1,7 Prozent in Sachsen, bis hin zu minus 6,3 Prozent in Thüringen. Je nachdem, wie sich die Zahl 2018 entwickelt hat, könnte das Minus in Sachsen-Anhalt bei rund 5 Prozent liegen.

Auf der anderen Seite stehen die alten Bundesländer: Von den großen Kammerbezirken mit etwa 2000 Apotheken oder mehr weisen vor allem Westfalen-Lippe (-13,8 Prozent), Nordrhein (-12,5) und Baden-Württemberg (-11,7) starke Rückgänge auf. Niedersachsen und Hessen bilden mit minus 10 Prozent das durchschnittliche Niveau ab; Bayern – mit mehr als 3000 Apotheken größter Kammerbezirk in Deutschland – steht je nach den jüngsten Zahlen mit rund 9 Prozent Verlust etwas besser da.

Weniger positiv sieht die Entwicklung in Rheinland-Pfalz (-13,3 Prozent), dem Saarland (-13,2) und in Schleswig-Holstein (-12) aus, genauso wie in den Stadtstaaten: In Berlin ist die Zahl der Apotheken seit 2008 um 11,2 Prozent zurückgegangen, in Hamburg sogar um 12,9 Prozent. Schlusslicht bildet Bremen mit minus 16,2 Prozent.

Noch dramatischer ist die Entwicklung bei den selbstständigen Apothekern: Ende September war deren Zahl nach Angaben der ABDA um 265 auf 14.971 und damit erstmals unter die Marke von 15.000 gesunken. Damit hat seit 2008 mehr als jeder fünfte Inhaber aufgegeben.

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