Bank abgesprungen

Million im Minus: Inhaber kämpft um drei Apotheken

, Uhr
Berlin -

Baustelle, Parkplätze und Filialisierung: Apotheker Christian Brand brachten mehrere externe Faktoren in die finanzielle Schieflage. Als letztlich die Bank absprang, musste er Insolvenz anmelden – und das an seinem 50. Geburtstag. Dennoch hält er an seinen drei Standorten fest und sieht Potenzial in seinen Apotheken.

Seit 2012 ist Brand selbstständig. Er führt die Apotheke am Schillerplatz in Kaiserslautern, in der er zuvor als Filialleiter tätig war. Später kamen die Stadt-Apotheke und 2024 die Aurelius-Apotheke dazu. Doch über jedem Betrieb hing eine dunkle Wolke. Eine langjährige Baustelle vor der Apotheke am Schillerplatz etwa sorgte dafür, dass die Laufkundschaft ausblieb und der Umsatz sank.

Sieben Jahre Baustelle vor der Apotheke

2019 begannen die Bauarbeiten, die in zwei Teile aufgespalten waren. „Insgesamt wurde sieben Jahre daran gearbeitet“, sagt der Apotheker. Deutlich länger als geplant. „Zunächst hieß es, es dauert anderthalb Jahre, bis der erste Abschnitt fertig ist.“

Bereits zuvor im Sommer 2018 habe es die ersten Gespräche über eine Neugründung der Aurelius-Apotheke gegeben. „Ich dachte damals, dass ich die Verluste wegen der Baustelle über die neue Filiale abfangen kann“, erinnert sich Brand. Doch alles kam anders. Denn auch der Einzug in die umgebauten Räume einer ehemaligen Industrieanlage mit Praxen verzögerte sich. „Es war nicht absehbar, wann es genau losgeht, und ich habe angefangen, Personal anzusparen.“

Die Baustelle vor der Apotheke am Schillerplatz sorgte mehrere Jahre über für einen deutlichen Kundenrückgang. Foto: Apotheke am Schillerplatz

Umsatzplus während der Pandemie

Zwischenzeitlich konnte der Inhaber während der Corona-Pandemie Verluste mithilfe des Angebots von Coronatests wettmachen. Dann fehlten wegen Umbaumaßnahmen für die Stadt-Apotheke 100 Parkplätze. Die Situation sei zwischenzeitlich wieder behoben, sagt er. „All diese Umstände fielen nicht so ins Gewicht, dass ich mit den Apotheken auf der Kippe gestanden hätte.“

Ein Hauptproblem sei das Personal für die neue Filiale gewesen. „Ich habe es sieben Monate mitgeschleppt und damit sämtliche Einnahmen aus der Coronazeit verbraucht.“ 2024 konnte die Aurelius-Apotheke schließlich eröffnen. Doch die Probleme rissen nicht ab: „Die Prognosen haben nicht gestimmt. Die Ansiedlung der Ärzte ging langsamer vorwärts als geplant. Ich habe im ersten Jahr nur ein Viertel des zugesagten Umsatzes erwirtschaftet, im zweiten Jahr nur die Hälfte“, so Brand.

Bank fordert Gutachten vom Apotheker

Als noch ein Pflegeheim absprang und damit 20 Prozent des Umsatzes wegfielen, rückten die roten Zahlen immer näher. Angesichts der Schieflage informierte er seine Bank und trennte sich von Personal. Die Bankberater der Sanierungsabteilung in Frankfurt hätten die Fortführung befürwortet, so Brand. Sie forderten jedoch ein Gutachten für rund 25.000 Euro. Dies habe die Zentrale in Düsseldorf geprüft. „Die Bank ließ sich enorm viel Zeit. Ich habe mich als bloße Nummer gefühlt und dachte, ich werde nicht für voll genommen.“

An seinem 50. Geburtstag erhielt er die Nachricht, dass die Bank ihn nicht weiter mit einem Kredit unterstützen werde. Kurz darauf meldete er Insolvenz an. Wegen der akuten Lage sei eine Sanierung in Eigenverwaltung nicht mehr infrage gekommen, die Erstellung eines Sanierungsplans wäre innerhalb der Frist nicht gelungen. Er rutschte in die Regelinsolvenz. „Im vorläufigen Verfahren konnte ich als Geschäftsführer eingesetzt werden.“ Doch im Hauptverfahren ist dies rechtlich nicht möglich, da eine Apotheke von einem Apotheker geführt werden muss und kein Insolvenzverwalter einspringen darf. „Ich kann eine Abstandszahlung für die Apotheken zahlen, die den Gläubigern zufließt.“ Dafür hat Brand drei Jahre Zeit. Mit seinen beiden Großhändlern Phoenix und Gehe fühlt er sich gut aufgestellt. „Auch wenn die mich recht an die Leine nehmen.“

Sechsstelliger Betrag in drei Jahren

Insgesamt handele es sich um einen mittleren sechsstelligen Betrag. „Es ist machbar, ich bin mit Banken in Gesprächen.“ An seinen Apotheken hält er fest. Für die Apotheke am Schillerplatz gebe es einen Kaufinteressenten, der in wenigen Jahren übernehmen würde. Die anderen Standorte entwickelten sich gut – gerade das Industriegebiet um die Aurelius-Apotheke mit mehreren Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) wandele sich immer mehr zum Campus mit zahlreichen Arztsitzen und Wohnflächen. „Jeden Tag entsteht mehr.“

Brand ist zuversichtlich und froh, die stressigen vergangenen Jahre bewältigt zu haben. „Die Zeiten der Baustelle waren eine Achterbahnfahrt und das Gründungsjahr extrem stressig – gerade im Herbst mit ansehen zu müssen, dass die prognostizierten Zahlen nicht stimmen“, sagt er. Insgesamt ging es zwischenzeitlich um Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro. 2024 sei ein heftiges Jahr mit viel Frust gewesen. Glücklicherweise habe der Insolvenzverwalter sehr gute Arbeit geleistet und – wie er – immer an die Apotheken geglaubt.

Jetzt kostenlos weiterlesen!
Einfach anmelden bei APOTHEKE ADHOC plus – komplett kostenfrei.
Weil guter Journalismus unbezahlbar ist.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Mehr aus Ressort
ApoRetrO – Der satirische Wochenrückblick
Großhändler schalten Skonto-Telefon
Samstagsruhe in Apotheken
Neue Regeln zu Öffnungszeiten