Hüffenhardt: Automaten-Check mit Apotheker-Protest | APOTHEKE ADHOC
Richter beim Ortstermin

Hüffenhardt: Automaten-Check mit Apotheker-Protest

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Berlin -

Ortstermin in Hüffenhardt: Heute haben die Richter am Verwaltungsgericht Karlsruhe den Arzneiabgabeautomaten von DocMorris unter die Lupe genommen. Klären wollten die Richter, ob es sich in Hüffenhardt um eine Apotheke oder eine Spielart des Versandhandels handelt. Nach zwei Stunden und ein paar Nachfragen verabschiedete sich das Gericht wieder. Die Entscheidung fällt morgen.

Vor dem DocMorris-Terminal hatte sich zum Protest zwei Apothekerinnen mit einem Anti-DocMorris-Plakat positioniert: „Für die Apotheke und Menschlichkeit – gegen DocMorris und Profitgier“ stand auf einem Plakat, das Anette Pust und Regine Schick-Kern mitgebracht haben, laut einem Bericht der Heilbronner Stimme. „Der Automat schwächt mittelfristig den ländlichen Raum und zerstört Arbeitsplätze. Vor allem für Frauen in Teilzeit.“ Pust, die eine Apotheken-Filiale im Kraichgau leitet, und Schick-Kern von der Burg-Apotheke in Möckmühl lehnen das Vorhaben des niederländischen Versandhändlers ab. Es gehe DocMorris nicht darum, den ländlichen Raum zu versorgen.

Der Versandhändler wolle das deutsche Apotheken-System knacken, so die Heilbronner Stimme: „DocMorris geht es darum, den deutschen Apothekenmarkt aufzuräumen“, so Regine Schick-Kern zur Zeitung. Außerdem könnten solche Automaten gar nicht das leisten, was die Apotheken anbieten: „Wie sollen die einen Notdienst machen?“, so Pust. Das Unternehmen picke nur die Rosinen, die Apotheker hätten die Arbeit: Es gebe zu wenig Geld für Rezepturen, zu wenig Geld für Notdienste, zählt Pust auf. „Es gibt viele Sachen, die wir tun, die nicht honoriert werden.“

DocMorris sieht den jetzt vom VG Karlsruhe anhängigen Streit mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe für die Zukunft des Hüffenhardter Automaten als mitentscheidend an. Die Zur-Rose-Tochter hatte im April 2017 in der baden-württembergischen Gemeinde einen Abgabeautomaten eröffnet. Das Regierungspräsidium Karlsruhe ließ die Rx-Abgabe aus dem Terminal nach nur 48 Stunden wieder schließen. Die Aufsichtsbehörde hatte das Modell als unzulässig untersagt, bis zur Klärung aber die Abgabe von OTC-Medikamenten zugelassen. Jetzt läuft vor dem VG das Hauptsacheverfahren.

Der Verkauf mit digitaler Beratung sei nicht von der Versandhandelserlaubnis umfasst, begründete die Aufsichtsbehörde 2017 die Schließungsverfügung. Das Regierungspräsidium stützte die Entscheidung darauf, dass der Verkauf apothekenpflichtiger Arzneimittel strengen Anforderungen unterworfen ist. Der Versand müsse aus einer öffentlichen Apotheke heraus erfolgen, was notwendigerweise mit einer individuellen Versendung oder Auslieferung an einen Dritten oder eine Abholstation verbunden sei.

Die Abgabe aus einem vorab mit einem Arzneimittelvorrat befüllten Lagerautomaten sehe diesen Schritt gerade nicht vor. „Die Automatenabgabe verwischt in unzulässiger Weise die Grenze zwischen dem Versandhandel und der Abgabe von Arzneimitteln in einer Präsenzapotheke. Letztere unterliegt hinsichtlich der Räumlichkeiten, der Ausstattung und des Fachpersonals hohen gesetzlichen Anforderungen, die durch das Abgabeterminal umgangen wird.“

Zusätzlich werde bei der Abgabe von Rx-Medikamenten bei der Prüfung der Rezepte am Terminal gegen Formvorschriften der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) verstoßen, die aus Gründen der Arzneimittelsicherheit von jeder Apotheke einzuhalten seien. „Die Untersagung war daher zur Gewährleistung der Arzneimittelsicherheit und einer breiten Arzneimittelversorgung durch gut ausgestattete Präsenzapotheken notwendig“, so die Verfügung.

Nach dem Rx-Schließungsbeschluss des Regierungspräsidiums Karlsruhe eröffnete DocMorris in Hüffenhard aber erneut die OTC-Abgabe. Dagegen klagten der Landesapothekerverband Baden-Württemberg sowie mehrere Apotheker. Das Landgericht Mosbach (LG) verbot daraufhin auch die OTC-Abgabe. Auch dagegen war die Versandapotheke in Berufung gegangen. Diese Verfahren sind noch nicht entschieden. Hier wird am 10. April wieder verhandelt.

Bereits Anfang 2016 hatte sich DocMorris in den Geschäftsräumen der im März 2015 geschlossenen Brunnen-Apotheke eingemietet. Bürgermeister Walter Neff war bereits Ende 2014 von der Versandapotheke angesprochen und mit der Idee konfrontiert worden. Der ergriff die Chance, hatte keine Bedenken. Damals zeichneten sich die Probleme bei der Suche nach einem Nachfolger für die Apotheke im Ort ab.

In der ehemaligen Brunnen-Apotheke konnten sich Kunden kurzzeitig per Videochat von pharmazeutischen DocMorris-Mitarbeitern in Heerlen beraten lassen. Optional konnte der Bildkontakt ausgeblendet werden. Die Apotheker und PTA am Sitz der Versandapotheke konnten Medikamente freigeben, die dann vom Automaten ausgegeben wurden. Kontrolliert wurde die Packung ebenfalls per Videoübertragung. Auch Rezepte konnten am Terminal eingelöst werden. Vor Ort waren sogenannte „Welcome-Managerinnen“ präsent und standen den Interessenten mit Rat und Tat zur Seite. Sie nahmen die Kunden in Empfang, zeigten ihnen die Beratungskabine und holten die erforderlichen Unterschriften für die Datenverarbeitung ein. Außerdem halfen sie am Kassenterminal. Der Automat hat laut DocMorris 8000 Lagerplätze, 500 Medikamente können gekühlt gelagert werden.

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